Nach einer abfälligen Äußerung von EU-Kommissar Günther Oettinger über "Schlitzaugen" hat sich die chinesische Regierung bestürzt gezeigt. Die Bemerkungen würden verdeutlichen, dass manche westliche Politiker "ein irritierendes Gefühl der Überlegenheit haben", sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. "Wir hoffen, dass sie lernen, wie man andere als gleichwertig ansieht und mit Respekt behandelt."

Oettinger hatte in einer Rede in Hamburg unter anderem Chinesen als "Schlitzaugen" bezeichnet, von einer "Pflicht-Homoehe" gesprochen und durchblicken lassen, Frauen könnten ohne Quotenregelung keine Spitzenpositionen erreichen. Später spielte er die Aussagen, für die er von vielen Seiten kritisiert wurde, herunter. Seine Worte über "Schlitzaugen" seien eine "saloppe Äußerung" gewesen, sagte er der Welt.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Europaparlament, Rebecca Harms, forderte den Rücktritt Oettingers. "Deutschland kann bestimmt besser vertreten werden in Brüssel", sagte sie dem Berliner Tagesspiegel. Oettinger sei "in jeder Hinsicht ein Mann von gestern: Als Energiekommissar hat er Kohle und Atom verteidigt. In der Welt der Digitalisierung findet er sich nicht zurecht. Und sein sogenannter Witz kommt von den Altherren-Stammtischen", sagte die Grünen-Politikerin.

Zuvor hatte unter anderem Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig Kritik an Oettingers Aussagen geübt. "Die Äußerungen von Herrn Oettinger sind homophob und rassistisch und sie entsprechen nicht dem, was ein EU-Kommissar leisten muss." Zurückhaltender fielen hingegen die Äußerungen von Regierungssprecher Steffen Seibert aus. Es müsse "jeder aufpassen, dass er mit seiner Sprache andere nicht verletzt". Was von Oettinger zu hören gewesen sei, sei "ganz sicherlich nicht die Sprache und der Vortragsstil der Bundeskanzlerin." Der Forderung nach einer Entschuldigung wollte sich Seibert nicht anschließen: "Herr Oettinger hat selber bereits einige umstrittene Passagen seiner Rede eingeordnet."