Zweieinhalb Wochen nach seinen abfälligen Äußerungen über Chinesen steht EU-Kommissar Günther Oettinger schon wieder unter Druck. Nach einem Bericht der Website EUobserver soll Oettinger im Mai im Privatflugzeug des ehemaligen Daimler-Managers Klaus Mangold zu einem Treffen mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán nach Budapest geflogen sein. Das verstößt laut der Website vermutlich gegen die Ethikregeln der Kommission, wonach keine Geschenke im Wert von über 150 Euro angenommen werden dürfen.

Oettinger wies die Vorwürfe als unbegründet zurück. Aufgrund von Terminen habe er den vorgesehenen Flug nach Ungarn nicht erwischt, schrieb der EU-Digitalkommissar auf Twitter. Um rechtzeitig zum Treffen mit Orbán zu kommen, habe die ungarische Seite vorgeschlagen, dass er bei Mangold mitfliege. Mangold ist russischer Honorarkonsul in Baden-Württemberg, Oettingers Heimat. 

Die Sprecherin des EU-Kommissars äußerte sich in einer Stellungnahme ähnlich wie Oettinger: Die ungarischen Behörden hätten nicht nur die Reise in Mangolds Jet vorgeschlagen, sondern hätten auch für die Unterbringung in Budapest bezahlt.

Die Grünen wollen Oettinger wegen der Aktion im Europaparlament zur Rede stellen. "Es ist sehr bedenklich, wenn sich ein EU-Kommissar von einem Kreml-nahen Lobbyisten in einem Privatjet durch Europa fliegen lässt und das völlig normal findet", sagte die Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms. Oettinger werde sich sehr unangenehmen Fragen stellen müssen.

Erst vor zwei Wochen hatte sich Oettinger für eine Rede in Hamburg entschuldigen müssen, in der er Chinesen als "Schlitzaugen" bezeichnet und missverständliche Äußerungen über die Frauenquote und die gleichgeschlechtliche Ehe gemacht hatte.