Der Wahltag in den USA ist mit einem Kuriosum gestartet: Acht Bewohner des Bergdorfs Dixville Notch im Bundesstaat New Hampshire durften traditionell bereits um Mitternacht (Ortszeit) wählen. Vor den Augen zahlreicher Journalisten siegte Hillary Clinton mit vier Stimmen, gefolgt von zwei für Donald Trump und einer für den Drittkandidaten Gary Johnson. Ein Wähler war mit der Auswahl offenbar so unzufrieden, dass er den Namen des republikanischen Kandidaten von 2012, Mitt Romney, auf den Wahlzettel schrieb.

Auch in zwei anderen Örtchen konnten die Wähler dank einer Sonderregelung aus dem Jahr 1960 bereits abstimmen – und entschieden sich mehrheitlich für Clintons Rivalen. Zusammen mit dem Ergebnis aus Dixville Notch kommt Donald Trump auf 32 zu 25 Stimmen.  

Landesweit aber sehen ihn die Demoskopen weiter hinten. So besteht einer Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Clinton die landesweite Wahl gewinnt. Eine Erhebung der New York Times kommt auf eine Wahrscheinlichkeit von 84 Prozent. Dennoch halten es Trumps Berater mit Blick auf wichtige Staaten wie Florida oder North Carolina – hier liegen beide Kandidaten etwa gleichauf – für möglich, dass sich der Milliardär doch durchsetzen könnte und ziehen einen Vergleich mit dem überraschenden Ausgang des Brexit-Votums in Großbritannien.

Wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?

Richtig los geht die Wahl aber erst um 6 Uhr Ortszeit (12 Uhr MEZ), wenn in mehreren Staaten der US-Ostküste flächendeckend die Wahllokale öffnen. Bis zuletzt hatten sowohl die Demokratin als auch der Republikaner um Wählerstimmen geworben und teils mit prominenter Unterstützung – Clinton etwa stand zusammen mit Präsident Obama und der First Lady auf der Bühne – ihre finalen Auftritte absolviert.

Wer den Wahlausgang in Deutschland verfolgen will, muss mit einer langen Nacht rechnen – oder am Mittwochmorgen sehr früh aufstehen. Die ersten Wahllokale (Ostküste) schließen nach deutscher Zeit um Mitternacht, die letzten (westliches Alaska) am Mittwochmorgen um 7 Uhr. 

Die entscheidenden Ergebnisse sind kurz nach 2 und 3 Uhr deutscher Zeit zu erwarten. Dann schließen die Wahllokale in wichtigen Bundesstaaten wie Florida, Georgia, North Carolina, Ohio, Pennsylvania und South Carolina (jeweils 2 Uhr) sowie Arizona, Michigan und Wisconsin (3 Uhr). Um 2 Uhr sind etwas mehr als die Hälfte der 538 Wahlmännerstimmen vergeben.

Ihre Fragen an unsere Experten in der US-Wahlnacht

Welche Folgen hat die Wahl in den USA für die Amerikaner und den Rest der Welt? In der Wahlnacht beantworten Experten wie Melissa Eddy von der New York Times und Gary Smith von der American Academy ab 22:30 Uhr Ihre Fragen in einem Liveblog auf ZEIT ONLINE. Senden Sie uns hier oder auf Twitter (Hashtag #1wahl1000fragen) schon vorab Ihre Fragen zu.



US-Medien veröffentlichen direkt nach Schließung der Wahllokale in einem Staat erste Prognosen, die auf Umfragen nach der Wahl basieren. Die letzten Umfragen vor der Wahl sahen Hillary Clinton knapp vorn.

Wer darf wählen?

Von den 322 Millionen US-Bürgern sind theoretisch alle wahlberechtigt, die mindestens 18 Jahre alt sind. Das sind etwa 219 Millionen. Nicht wahlberechtigt sind Ausländer, die mit einem Visum oder ohne Papiere in den USA leben. Die Wahlbeteiligung in den USA ist wegen verschiedener Hürden für die Wähler allerdings meist niedrig. In diesem Jahr haben knapp 40 Millionen Bürger bereits vor der Wahl ihre Stimme abgegeben, persönlich oder per Brief – mehr als bei früheren Wahlen.

Was wird gewählt?

Jeder der 50 Staaten sowie die Hauptstadt Washington D. C. hat der Einwohnerzahl entsprechend eine bestimmte Zahl von Wahlmännern und -frauen, die stellvertretend für das amerikanische Volk den US-Präsidenten und seinen Vize wählen. Gewählt werden außerdem das Repräsentantenhaus sowie ein Drittel der hundert Senatoren. Darüber hinaus stimmen die US-Bürger in vielen Staaten über verschiedene Gesetzesvorschläge ab, etwa über die Legalisierung von Marihuana in Kalifornien.

Warum wird es in einigen Staaten besonders spannend?

Nach dem Prinzip "The winner takes it all" (Der Gewinner bekommt alles) werden alle Wahlmänner und -frauen eines Staates der Partei zugeordnet, die die meisten Stimmen im Staat bekommen hat – ganz gleich, wie knapp das Ergebnis ausfällt. Daher kann es im US-Wahlsystem schnell passieren, dass der Kandidat mit den meisten Wählerstimmen trotzdem nicht Präsident wird.

Während das Ergebnis in Staaten wie Kalifornien (mehrheitlich demokratisch) oder Texas (mehrheitlich republikanisch) schon feststeht, wird es in den so genannten Swing States (Wechselwählerstaaten) knapp. Daher haben Trump und Clinton ihren Wahlkampf zuletzt vor allem auf diese Staaten konzentriert. Die meisten Wahlmänner sind in den Swing States Florida (29), Pennsylvania (20), Ohio (18) und North Carolina (15) zu gewinnen; sie gelten daher als wahlentscheidend.

Und was passiert nach der Wahl?

Je nach Wahlausgang wird Hillary Clinton oder Donald Trump am 20. Januar 2017 das Präsidentenamt antreten; Barack Obamas achtjährige Amtszeit geht damit zu Ende. Die US-Verfassung sieht anders als Deutschland (vier) maximal zwei Amtszeiten vor; daher durfte Obama nicht erneut antreten.

US-Wahl - Wenn Donald Trump Präsident wäre Bietet die Nato den Verbündeten noch Schutz? Wie ist die Nuklearstrategie der USA? US-Experte Irwin Collier beschreibt für Europa das Szenario, wenn der republikanische Kandidat tatsächlich gewinnen würde.

Die Sorge vor einem Sieg des Populisten Trump ist vor allem in Europa groß. Doch auch liberale US-Amerikaner sind besorgt: Mehr oder weniger im Scherz kündigten viele liberale US-Amerikaner an, im Falle eines Wahlsiegs von Donald Trump für vier Jahre nach Kanada auszuwandern.