Irakische Truppen haben nach eigenen Angaben erstmals seit zwei Jahren das Stadtgebiet von Mossul betreten. Eliteeinheiten der Armee hätten von Osten her die Stadtgrenze erreicht und diese überquert, sagte der Chef der irakischen Antiterrorkräfte, Talib Schaghati, im Fernsehen. "Wir haben nun die eigentliche Befreiung Mossuls begonnen."

Seinen Angaben zufolge nahmen die Truppen den östlichen Randbezirk Gogdschali und ein TV-Gebäude direkt an der Stadtgrenze ein. Laut Generalmajor Sami al-Aridi hatten Kämpfer des "Islamischen Staates" (IS) Betonwände aufgestellt, um den etwas zentraler gelegenen Stadtteil Karama abzuriegeln und den Vormarsch der irakischen Soldaten zu stoppen. Zudem seien Sprengsätze entlang der Straße in die Stadt platziert worden.

Das Blog Mosul Eye berichtete, der IS habe sich aus dem Stadtteil Karama zurückgezogen. Die Bewohner warteten darauf, dass Karama als befreit erklärt werde. Die irakischen Truppen seien dabei, zudem den Stadtteil Al Samah unter ihre Kontrolle zu bringen. Das Militär sei mittlerweile fünf Kilometer tief in die Stadt eingedrungen. Im Osten Mossuls sei der IS auf dem Rückzug, im Westen der Stadt jedoch noch stark vertreten. Der IS habe Dutzende Gefangene entlassen, die seit Jahren in seiner Gewalt waren.

Vom nahe Mossul gelegenen Dorf Baswaja, das die irakischen Streitkräfte am Vortag eingenommen hatten, war zu sehen, wie Rauch aus den Gebäuden am Stadtrand aufstieg. Unterstützt werden die Kämpfer von Luftangriffen der US-geführten Anti-IS-Koalition.

Vor mehr als zwei Wochen hatten irakische Soldaten, Kurden, sunnitische Stammesangehörige und schiitische Milizen begonnen, Mossul vom IS zurückzuerkämpfen. Sie greifen aus allen Richtungen Mossul an, um den IS zu vertreiben, der die Stadt seit 2014 unter seiner Kontrolle hält. Für die Terrormiliz ist Mossul die letzte große Basis im Irak.

Die Einwohner des Dorfes Baswaja empfingen die irakischen Soldaten mit weißen Flaggen. Damit wollten die Menschen zeigen, dass sie dem Vorstoß der Truppen keinen Widerstand leisten. Einige Einwohner standen vor ihren Häusern, Kinder machten mit ihren Händen das Siegeszeichen. Die Familien, nach Schätzungen etwa mehrere Hundert, sollen aus der Ortschaft in ein Lager für Vertriebene gebracht werden.

Nach Informationen der UN hat der IS versucht, am Montagmorgen "etwa 25.000 Zivilisten" aus der Ortschaft Hamam al-Alil mit Lastwagen und Bussen zu Stellungen in und um Mossul zu transportieren. Offenbar sollten diese Menschen als Schutzschilde gegen die Angriffe der Regierungstruppen dienen. Die meisten Fahrzeuge seien durch Überwachungsflüge der US-geführten multinationalen Militärkoalition an der Einfahrt nach Mossul gehindert und zur Umkehr gezwungen worden.

Die türkischen Streitkräfte verlegten nach Angaben der Militärführung Panzer und Artilleriegeschütze in die Nähe der irakischen Grenze. Die Türkei will sich an der Rückeroberung beteiligen. Die irakische Regierung hatte das jedoch mehrfach untersagt. Sie sieht die Türkei wegen ihrer Militäraktionen im Nordirak als Besatzer.