Der Erste, der aus dem "großen fetten Sumpf", wie Donald Trump den arabischen Raum genannt hatte, gratulierte, war Abdel Fattah al-Sissi. Es kam von Herzen. Donald Trump mag Muslime unter Terrorgeneralverdacht stellen und über ein Einreiseverbot für sie nachdenken. Doch Ägyptens Präsident hatte mit dem zukünftigen amerikanischen Amtskollegen bereits im September bei einem Treffen in New York Männerfreundschaft geschlossen. Trump lobte danach Sissis blutigen Coup gegen die Regierung des Muslimbruders Mohammed Mursi – und Sissi dürfte sich während des Wahlkampfs über Trumps explizite Befürwortung von Folter im "Krieg gegen den Terror" gefreut haben. Er hoffe, so Sissi, "dass die Präsidentschaft Trumps neues Leben in die ägyptisch-amerikanischen Beziehungen bringen wird", womit er nicht nur weitere Waffenlieferungen aus den USA, sondern auch Wirtschaftshilfen gemeint haben dürfte. Denn Ägypten steht derzeit am Rande des ökonomischen Bankrotts.

Außer Sissi war ein zweiter Diktator besonders erleichtert über Trumps Wahlsieg. Anders als der ägyptische Machthaber kann Baschar al-Assad zwar vorerst nicht auf die persönliche Sympathie des Republikaners hoffen. "Ich mag Assad überhaupt nicht", hatte der in der zweiten Fernsehdebatte mit Hillary Clinton gesagt. "Aber Assad tötet den IS." Assad tötet zwar in erster Linie Zivilisten und Rebellengruppen, die ihrerseits auch vom IS angegriffen werden. Doch die Komplexität des syrischen Bürgerkriegs zu durchschauen, gehört zweifellos nicht zu Trumps Prioritäten im Nahen Osten. Er will den "Islamischen Staat" in Grund und Boden bombardieren und ansonsten die amerikanische Waffenhilfe für Rebellen einstellen, die Clinton erhöhen wollte. Er will sich also nicht in den syrischen Vielfrontenkrieg einmischen, sondern allein den IS bekämpfen – auch mithilfe des Regimes in Damaskus und womöglich an der Seite Russlands unter dem Geistesbruder Wladimir Putin. Das ist Musik in Assads Ohren.

Und sonst? Was kann eine Region, die derzeit sämtliche globalen Krisen auf sich vereint, vom neuen US-Präsidenten erwarten? Bei aller Freude in Kairo und Damaskus – es dominiert Ratlosigkeit. Über Trumps Ansichten weiß man nicht viel mehr, als dass er den Nahen Osten für eben jenen "big, fat quagmire" hält, aus dem die USA sich möglichst heraushalten sollten. Und so ist der Präsident in spe zunächst einmal eine große Projektionsfläche für arabische, israelische und iranische Wunschträume. Die allerdings widersprechen sich häufig. 

Israels Regierung wertet Trumps rhetorischen Isolationismus freudig als das Ende lästiger Washingtoner Friedensinitiativen – und damit als Ende für den palästinensischen Traum vom eigenen Staat und der internationalen Roadmap für eine Zweistaatenlösung. Auch Trumps Ankündigung, den Nukleardeal mit Iran aufzukündigen, hat man in Jerusalem gern gehört.

Teheran wiederum freut sich ebenfalls über den Wahlausgang; Hillary Clinton hatte im Wahlkampf versprochen, den Iran und seinen Schützling Assad in Syrien mit Schutzzonen für Zivilisten zu stoppen. Ob sie den Worten hätte Taten folgen lassen, sei dahingestellt. Jedenfalls fürchtete die Falken-Fraktion um Qassem Suleimani, den Kommandanten der Al-Quds-Einheiten und Hauptstrategen der iranischen Außenpolitik, dass die USA mit Clinton wieder stärker in die Konflikte der Region eingegriffen hätten. Auch, um Russland Paroli zu bieten. Diese Gefahr scheint nun vorbei.

Dass Trump einseitig das multilaterale Nuklearabkommen kippen kann, hält die iranische Machtelite für unmöglich. Eher schon glaubt man, dass sich mit Trump, als Geschäftsmann die Verkörperung des Deals, hinter den Kulissen gut über weitere Themen verhandeln ließe, schreibt Hayder Al-Khoei, Leiter des Center for Shia Studies in London.

Das Regime in Teheran vertraut dabei auf frühere Erfahrungen. In der Iran-Contra-Affäre lieferten Mitte der 1980er Jahre Vertreter der Reagan-Administration heimlich amerikanische Waffen an das offiziell zum Bösen erklärte Mullah-Regime, das sich im Gegenzug für die Freilassung amerikanischer Geiseln im Libanon einsetzte. Hinterzimmerdeals bei gleichzeitigem propagandistischen Verteufeln – das funktioniert aus Teheraner Sicht mit Republikanern besser als mit Demokraten.

Auf der anderen Seite des Persischen Golfes kennt man Trump schon länger – und zwar als Investor in Luxusimmobilien und Golfplätze auf der arabischen Halbinsel. Seine Geschäftsbeziehungen sind während des Wahlkampfs etwas abgekühlt. Nach seiner Forderung eines Einreiseverbots für Muslime in die USA ist sein Namenszug vom International Golf Course in Dubai erst einmal verschwunden.

Mit dem saudischen Prinzen al-Walid bin Talal (Platz 24 auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt 2015 mit einem Vermögen von 25,7, Milliarden Dollar) lieferte sich Trump (Forbes-Listenplatz 405 mit 4,1 Milliarden Dollar) einen Schlagabtausch per Twitter, nachdem bin Talal den republikanischen Kandidaten als "Schande für Amerika" bezeichnet hatte. Worauf Trump den Saudi als "bekloppten Prinzen" beschimpfte, "der mit Papas Geld US-Politiker kontrollieren will. Damit ist Schluss, wenn ich gewählt werde."