Der Himmel über Raleigh, der Hauptstadt von North Carolina, strahlt fast so blau wie das Kampagnenlogo von Hillary Clinton. 19 Grad im Schatten, aber plötzlich braut sich ein  Sturm zusammen. Donald Trump lässt es hageln.

"Könnt Ihr Euch vorstellen, Hillary vier Jahre lang aushalten zu müssen? Uugh..." Er schüttelt sich vor rund 9.000 Zuschauern in der J.S. Dorton Arena. "Sie hat all diese E-Mails gelöscht, nachdem sie der Kongress vorgeladen hatte. Wenn Ihr mich fragt: das ist eine Straftat."

Nach den Anschuldigungen hagelt Applaus. Es ist Montagnachmittag, der letzte Wahlkampftag. Vor fast anderthalb Jahren hatte der Unternehmer seine vorläufige Bewerbung eingereicht, um US-Präsident zu werden. Im Trump Tower in New York verkündete er damals seine Kandidatur. In wenigen Stunden wird klar sein, was daraus geworden ist.

Raleigh, die drittklügste Stadt

Clinton und Trump haben Raleigh als eine ihrer letzten Stationen ausgesucht, bevor gewählt wird. North Carolinas Haupt- und Rostocks Partnerstadt hat mehr eine halbe Million Einwohner und gilt als eine der am schnellsten wachsenden Metropolen in den USA.

Das Time-Magazin bezeichnete Raleigh 2011 als drittklügste Stadt, gemessen am Anteil der Einwohner mit Hochschulabschluss; die Zeitschrift Forbes ernannte sie vergangenes Jahr zur fünftbesten Stadt, um eine Familie zu gründen. Hier gibt es den Research Triangle Park, ein bekanntes Forschungszentrum der Duke University, der NC State University, und der University of North Carolina at Chapel Hill. Wer hier, in einem wichtigen Swing State, in dem beide Kandidaten gleichauf liegen, auf Stimmenfang geht, erreicht eine moderne, gut informierte, urbane Mittelschicht jüngeren bis mittleren Alters. Im besten Fall Wähler von morgen.

US-Wahl - Der ungeliebte Kandidat In North Carolina könnte eine Mehrheit für Donald Trump stimmen. Echte Begeisterung löst er dort aber nicht mal in der eigenen Partei aus. © Foto: ZEIT ONLINE

So grobkörnig, wie der Sonne durch die stumpf geputzten Fenster in die in die Jahre gekommene Mehrzweckhalle fällt, könnte man glauben, es sei ein sanftmütiger Abschluss für den Kandidaten Trump. Der Politik-Quereinsteiger hat beste Laune und ignoriert den Teleprompter ebenso wie die Rufe nach seiner Steuererklärung.

Seine Rede wirkt wie ein Bewusstseinsstrom, innerhalb weniger Sekunden jagt Trump gedanklich von Jobs zu Jay Z. An den Flow von Letzterem reicht er nicht heran, behauptet aber, im Gegensatz zu Clinton den Rapper und seine Ehefrau Beyoncé nicht zu brauchen, um große Hallen zu füllen: "Sie bekommt diese Läden nicht voll, sie holt sich Jay Z und Beyoncé. Ich mag die zwei. Nur mache ich die Hallen auch so voll. Ich brauche dafür keine Gitarre und kein Piano…"