Wenn Donald Trump als Präsident auch nur einen Teil dessen wahrmacht, was er angekündigt hat, wird ein politisches Erdbeben die Koordinaten für die Umsetzung der im September 2015 verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 sowie des Pariser Klimaabkommens radikal verändern. Die Weltordnung steht an einem Wendepunkt. Was ist zu tun?

Noch vor wenigen Tagen undenkbar: Die USA ziehen sich aus dem Klimaschutz zurück, bereiten den Wiedereinstieg in die fossilen Energieträger vor, verweigern eine Beteiligung am Green Climate Fund. Im Team des gewählten Präsidenten bereiten Klimaskeptiker eine Neuordnung der US-Umweltbehörde vor.

Wenn der weltweit zweitgrößte Emittent seine Treibhausgase nicht reduziert, wird es sehr schwer, die Erwärmung des Planeten unter zwei Grad überhaupt noch zu halten. Damit nicht genug. Zwar verspricht der neue Präsident, sich um die abstiegsbedrohten Schichten zu kümmern – was dringend notwendig wäre – , doch wenn dies durch Protektionismus und Infrastrukturinvestitionen zustande käme, die ressourcen- und treibhausgasintensives Wachstum für die nächsten Dekaden zementierten, führte dieser Weg in die Sackgasse. 

Donald Trump - Ein Klimawandel-Skeptiker im Weißen Haus Für den 45. US-Präsidenten ist der Klimawandel Schwindel. Im Wahlkampf versprach er, Kohle und Fracking zu fördern und einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen zu prüfen. Dagegen formiert sich Protest.

Die globalen Nachhaltigkeitsziele basieren auf der Grundidee globalen  Interessenausgleichs – der neue US-Präsident propagiert aber die Devise "Our country first".

USA und Europa, wie Mars und Venus

Schwächen die USA nun die wichtigsten Säulen der Weltordnung, die sie nach dem Zweiten Weltkrieg selbst aufgebaut haben? Trumps Gesellschafts- und Weltbild und die Agenda 2030 – das sieht aus wie eine Neuauflage von Mars und Venus. Die Metapher stammt von Robert Kagan, der 2003 die Sicht der Regierung George W. Bushs auf die Weltpolitik und die europäische Kritik an Bushs unilateraler Außenpolitik als komplett unvereinbar beschrieb, als seien die transatlantischen Partner auf zwei Planeten unterwegs.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die neue US-Regierung moderater agieren wird, als Trump seinen Wählern versprochen hat. Zeigen wird sich das bald. Zum Beispiel im Verlauf der deutschen Präsidentschaft der G20, die im Dezember 2016 beginnt.

Der Brandt-Report

Fünf Tage nachdem Willy Brandt am 20. Dezember 1979 sein Vorwort zum berühmten Brandt-Report unterschrieben hatte, dessen vollständiger Titel Das Überleben sichern. Gemeinsame Interessen der Industrie- und Entwicklungsländer lautete, begann die Afghanistan-Invasion der Sowjetunion. Damit schlossen sich die Türen für mehr Kooperation zu Überlebensfragen der Menschheit. Der Kalte Krieg wurde noch frostiger. Thatcher wurde 1979 Premierministerin (und blieb dies bis 1990). Ronald Reagan übernahm zwischen 1981 und 1989 das Weiße Haus.

Der Brandt-Report reflektierte eine globale Diskussion über die Notwendigkeit einer Art Weltinnenpolitik, doch er erschien in ungünstigen Zeiten. Seine Ideen erlebten erst eine Dekade später eine Renaissance, nach dem Fall der Berliner Mauer, am Ende der Ära von Thatcher und Reagan-Ära. Die großen Weltkonferenzen der 1990er Jahre, allen voran der Rio-Gipfel zu Umwelt und Entwicklung von 1992, waren von seinem Geist inspiriert.