Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat Deutschland die Unterstützung von Terrorismus vorgeworfen. "Deutschland ist ein wichtiger Hafen für Terroristen geworden", sagte er auf einer Veranstaltung in Ankara. Er mache sich Sorgen um die Haltung der Bundesregierung, mit der im Moment dem Terror die Türe geöffnet werde. "Hey Deutschland, sei dir bewusst, dass diese Terrorplage euch wie ein Bumerang treffen wird", warnte er.

Erdoğan wirft Deutschland konkret vor, seit Jahren Anhänger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, der linksterroristischen DHKP-C und der Gülen-Bewegung zu "beschützen". Die Türkei macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch von Mitte Juli verantwortlich. Erdoğan sagte, die Türkei sei besorgt, dass Deutschland "den Schoß für Terroristen öffnet" und zum "Hinterhof" der Gülen-Bewegung werde. Er sehe die Zukunft der Bundesrepublik deswegen als "nicht positiv", sagte er weiter. Man werde sich zeitlebens daran erinnern, dass sie den Terror unterstützt habe.

4.000 Auslieferungsanträge, keine Antwort

Erdoğan verbat sich zugleich jede Einmischung in die türkische Politik. "Unsere inneren Angelegenheiten haben niemanden zu kümmern", sagte er. Merkel hatte die erneuten Festnahmen von Journalisten in der Türkei "in höchstem Maße alarmierend" verurteilt. Das "hohe Gut der Presse- und Meinungsfreiheit" werde in der Türkei "immer wieder aufs Neue eingeschränkt", sagte sie. Die Verhaftungen bei Cumhuriyet seien das "jüngste Beispiel dieser an sich schon sehr traurigen Entwicklung". Die Bundesregierung habe "sehr große Zweifel, dass das den rechtsstaatlichen Prinzipien entspricht" und werde die Ermittlungen und die Verhandlungen gegen die inhaftierten Journalisten genau verfolgen, sagte Merkel.

Erdoğan kritisierte in seiner Rede außerdem erneut das Verhalten der Bundesregierung nach dem Putsch vom 15. Juli. Rund 4.000 Anträge zur Auslieferung von Verdächtigen, die sich in Deutschland aufhielte, habe er Merkel übergeben. Jedoch habe er keine Antwort erhalten. Offensichtlich interessiere sich die Bundesregierung mehr dafür, sich besorgt über das Schicksal von Zeitungen zu äußern, die "Terrorgruppen unterstützen".

Im Sommer war bekannt geworden, dass die Bundesregierung in der Türkei einen Unterstützer von Terrorismus sieht. In der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage, die in diesem Teil als vertraulich eingestuft wurde, wird der Türkei und ihrem Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vorgeworfen, aktiv radikale Islamisten und sogar Terrorgruppen zu unterstützen. Demnach sei die Türkei zu einer "zentralen Aktionsplattform" für Islamisten im Nahen Osten geworden. Das Auswärtige Amt, das entgegen üblichen Gepflogenheiten nicht in die Beantwortung der Anfrage eingebunden war, distanzierte sich von diesen Aussagen.