In was für ein Chaos Donald Trump die Republikaner gestürzt hat, belegt ein Tweet des konservativen Abgeordneten Jason Chaffetz: "Ich werde Donald Trump weder verteidigen noch unterstützen. Aber ich werde ihn wählen." Er kritisiert Donald Trump, distanziert sich von ihm – und will ihm trotzdem seine Stimme geben. Wie bitte? 

Chaffetz ist nicht irgendein Hinterbänkler, er leitet den mächtigen Aufsichtsausschuss des amerikanischen Abgeordnetenhauses. Seine rhetorische Verrenkung steht symptomatisch für die Lage, in der sich seine Partei vor dieser Wahl befindet: Trump hat die Republikaner ruiniert. Was noch übrig war an innerparteilichem Konsens, ist dahin, die politische Agenda gesprengt, wichtige Wählergruppen sind auf Jahre verschreckt. Der Grand Old Party droht der Untergang – egal, ob Trump die Wahl gewinnt oder nicht.

Der Milliardär und die Republikaner – das war von Anfang keine Liebesgeschichte, sondern der Kampf des Außenseiters gegen die von ihm verhasste, saturierte Parteielite. Am Ende triumphierte Trump: Jeb Bush, Marco Rubio, Ted Cruz – all die auserkorenen Kandidaten der Parteiführung scheiterten einer nach dem anderen an seiner brachialen Rhetorik. Mitte Juli schickte die Parteibasis den Baulöwen dann offiziell ins Rennen um das Weiße Haus. Das republikanische Establishment hatte sich erst überhaupt nicht, dann zu zaghaft und schließlich viel zu spät gegen seine Kandidatur gewehrt. Jetzt ist es Trump, dessen Name heute all jene Amerikaner ankreuzen werden, die eine Präsidentin Hillary Clinton verhindern wollen.

Trump hat die Republikaner benutzt als bloßes Vehikel für seinen Kampf gegen das Machtsystem Washington und seinen Willen zur Macht. Er hat keine Rücksicht genommen auf die langjährigen Ziele der Partei oder gar deren innere Befindlichkeiten. Nun ist die Partei inhaltlich ausgehöhlt und innerlich zerrissen.


Das Ende des zermürbend langen Wahlkampfs zwingt die Republikaner zur Bestandsaufnahme: Wie könnte ihre Partei in der Post-Trump-Ära aussehen?

Eine Rückkehr zum klassisch-konservativen Profil scheint unmöglich. Denn selbst wenn Trump verliert: Seine ultranationalistischen, chauvinistischen und zum Teil rassistischen Anhänger geben ihre neu gewonnene Macht nicht wieder her. Viel eher werden sie versuchen, aus der Partei eine Heimat für all jene zu machen, denen Amerikas Wirtschaftspolitik zu feige, die Einwanderungspolitik zu lasch und die Außenpolitik zu wenig kämpferisch ist. Die Zukunft der Republikaner prägt nicht mehr der rechte TV-Sender Fox News, sondern das rechtsextreme Internetportal Breitbart. Die Gallionsfiguren der Partei werden nicht länger Paul Ryan oder Jason Chaffetz heißen, die starken Männer im Kongress, sondern der Trump-Unterstützer Rudy Giuliani und die rechte Fernsehmoderatorin Laura Ingraham. 


Wer zieht ins Weiße Haus ein?

Zahl der Wahlmänner, die Clinton und Trump laut aktuellen Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten für sich gewinnen können.

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Auch wenn die Umfragen auf ein extrem knappes Duell zwischen Clinton und Trump schließen lassen, wird es wohl die Demokratin sein, die Anfang 2017 ins Weiße Haus einzieht. Und schon jetzt geben sich die Republikaner gegenseitig die Schuld für die drohende Niederlage ihres Kandidaten. Das große Blame Game hat begonnen.

Allen voran hetzt der Fox-News-Moderator Sean Hannity gegen all jene, die sich im Laufe des Wahlkampfs von Trump losgesagt haben: Sollte Clinton gewählt werden, "seid ihr schuld an Clintons ungeprüften Flüchtlingen und den 550 Prozent mehr, die sie ins Land bringen will. Ihr seid schuld an den illegalen Immigranten, die 95 Millionen Amerikanern den Arbeitsplatz wegnehmen werden." Ganz offen droht der Publikumsliebling Hannity den Abtrünnigen mit Vergeltung: "Ich werde Namen nennen."

Fast vergessen ist der Kampf zwischen Moderaten und religiös-konservativen Tea-Party-Anhängern, der das republikanische Spitzenpersonal jahrelang zu Konzessionen zwang. Nun tut sich ein neuer Riss auf im Gefüge der Partei: Auf der einen Seite stehen all jene, die mit Trump nichts anfangen können – weil er ihnen nicht religiös genug ist, zu unkonventionell oder schlicht zu dreist. Auf der anderen Seite bereitet eine kleine Gruppe ultranationalistischer Abgeordneter um den Senator und Trump-Freund Jeff Sessions die Machtübernahme in der Partei vor.