Stephen Bannon will nicht nur Macht, er will alles. "Wir brauchen einen Kampf in der Republikanischen Partei um die Seele der konservativen Bewegung", sagte er bereits 2011 in einem Interview, als er Werbung für seine Dokumentation über die damalige Tea-Party-Ikone Sarah Palin machte. Man muss davon ausgehen, dass Bannon so lange weitermacht, bis er es ist, der definiert hat, wie die Seele der Konservativen in den USA auszusehen und was sie zu fühlen hat.

Seit Bannon im August den Wahlkampf des künftigen Präsidenten Donald Trump übernommen hat, nennen ihn die US-Medien den "Trump-Flüsterer". Und der 62-Jährige hat schon vielen Konservativen einflussreich ins Ohr geflüstert. Doch so nah an der Macht war Bannon noch nie. Der Kopf der rechtskonservativen Website Breitbart News wird unter Präsident Trump im Weißen Haus Chefstratege.

Ihm wird Trump trauen wie kaum einem anderen, ihm wird er, so die Sorge vieler, häufiger Gehör schenken als anderen Mitgliedern seines Stabs. Es ist seine Chance, die Ordnung des Weißen Hauses und die Partei von ganz oben zu beeinflussen. Und Bannon hat einiges dafür getan, so weit zu kommen.

Opportunist, Narzisst, Rassist – die Charaktereigenschaften, mit denen diejenigen Bannon beschreiben, die ihn kennen, zeichnen das Bild eines egoistischen und unberechenbaren Menschen. Den Vorwurf des Rassismus bestreitet Bannon. Ben Shapiro, der vier Jahre lang für Breitbart gearbeitet hat und die Organisation verließ, weil sie sich aus seiner Sicht in eine "Trump-Prawda" verwandelt hat, schreibt bei Daily Wire: "Ich habe keine Beweise dafür, dass Bannon ein Rassist oder ein Antisemit ist, … aber er heißt Rassisten und Antisemiten offen willkommen."

"Weiße Identität" ist in Gefahr

Unter Bannon hat sich Breitbart in eine Plattform für die Alternative Right in den USA entwickelt. Eine Gruppierung, die das Southern Poverty Law Center als Ideologen am äußersten rechten Rand beschreibt – Menschen, die davon überzeugt sind, dass die "weiße Identität" durch multikulturelle Einflüsse in Gefahr ist.

Der Antisemitismusvorwurf kommt nicht nur von Bannons Gegnern. Seine Ex-Frau Mary Louise Piccard hat im Jahre 2007 während der Scheidung vor Gericht angegeben, Bannon habe die gemeinsamen Kinder nicht auf eine Privatschule in Los Angeles schicken wollen, weil zu viele jüdische Kinder die Schule besuchten.