Die frühere Antikorruptionsbeauftragte Südafrikas fordert in einem Bericht Ermittlungen wegen Korruption gegen den regierenden Staatspräsidenten Jacob Zuma. Aus dem Bericht der inzwischen abgelösten Ombudsfrau Thuli Madonsela geht hervor, dass an der Staatsspitze offenbar "Straftaten begangen wurden". Madonsela fordert deshalb Polizei und Staatsanwaltschaft zu Ermittlungen auf.

Mit der Veröffentlichung des Berichts erhöht sich der Druck im Land auf Zuma. Am Mittwoch zogen Tausende Demonstranten zum Präsidentenpalast in Pretoria und versuchten, das Gebäude zu stürmen. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Wasserwerfer gegen sie ein.

An dem Protestmarsch beteiligten sich vor allem Anhänger der Partei Kämpfer für wirtschaftliche Freiheit (EFF) von Julius Malema, einer linken Abspaltung des Afrikanischen Nationalkongress (ANC). Aber auch Mitglieder von Gewerkschaften und anderen Oppositionsparteien protestierten. Oppositionsführer Mmusi Maimane von der Demokratischen Allianz (DA) forderte, Zuma für seine Vergehen zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Bericht von Madonsela wurde nach wochenlangem juristischem Streit veröffentlicht. Ein Gericht in der Hauptstadt Pretoria hatte zuvor die Veröffentlichung des 355 Seiten langen Berichts angeordnet. Die Veröffentlichung war möglich, weil Präsident Zuma und der in dem Bericht ebenfalls beschuldigte Minister David van Rooyen ihren Eilantrag gegen die Veröffentlichung zurückgezogen hatten.

Zuma wird vorgeworfen, der Wirtschaft erheblichen Einfluss bei der Ernennung von Ministern und Vorstandsmitgliedern von staatlichen Konzernen gestattet zu haben. Konkret geht es dabei um die indischstämmige Unternehmerfamilie Gupta. Bei der Vergabe von Aufträgen an Unternehmen der Familie sollen ebenfalls Bestechungsgelder geflossen sein. Nach Einschätzung von Madonsela hat Zuma durch seine Beziehung zu den Guptas möglicherweise gegen die ethischen Vorgaben für Regierungsmitglieder verstoßen. Sie wirft ihm außerdem vor, bei der "Auswahl und Ernennung von Ministern" nicht "rechtmäßig" vorgegangen zu sein.

Van Rooyens Verhalten sei "bedenklich"

In dem Bericht werden unter anderem sieben Besuche des Ministers Van Rooyen am Wohnsitz der Guptas in Johannesburg aufgeführt – unter anderem am Tag vor seiner überraschenden Ernennung zum Finanzminister im Dezember 2015. Madonsela bezeichnet das als "bedenklich".

Zuma hatte im Dezember völlig überraschend den angesehenen Finanzminister Nhlanhla Nene entlassen und durch seinen relativ unbekannten Vertrauten van Rooyen ersetzt. Die Ernennung sorgte für Verwirrung, nach nur vier Tagen wurde van Rooyen schon wieder entlassen. Pravin Gordhan ersetzt ihn, der bereits von 2009 bis 2014 Finanzminister war. Van Rooyen übernahm daraufhin Gordhans Posten als Minister für kooperative Regierungsführung und traditionelle Angelegenheiten.

Zuma steht wegen verschiedener Affären und der anhaltenden sozialen und wirtschaftlichen Missstände in Südafrika in der Kritik. Bei der Kommunalwahl im August hatte der regierende ANC schwere Verluste hinnehmen müssen.

Madonsela war 2014 zu Bekanntheit gelangt, als sie in einem Bericht zu dem Schluss gekommen war, dass Zuma bei der Renovierung seines Anwesens in seiner Heimat Nkandla unrechtmäßig Steuergelder verwendet hatte. Das Verfassungsgericht verurteilte ihn daraufhin dazu, das Geld, das nicht für sicherheitsrelevante Umbauten ausgegeben wurde, zurückzuzahlen.