Die inhaftierte WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning hat einem Bericht der New York Times zufolge erneut versucht, sich im Militärgefängnis selbst zu töten. Demnach wollte sie sich zu Beginn ihrer einwöchigen Isolationshaft Anfang Oktober das Leben nehmen. Die Isolationshaft war als Strafe für einen vorherigen Suizidversuch Mannings angeordnet worden.

"Sie ist wiederholt für den Versuch bestraft worden, zu überleben, und jetzt wird sie wiederholt bestraft für den Versuch, zu sterben", schrieb Mannings Anwalt Chase Strangio auf Twitter. Er bezog sich damit auf die vom Militär lange verweigerte Erlaubnis zur operativen Geschlechtsumwandlung, um die Manning als Transgender gekämpft hatte. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, war Manning zeitweise in einen Hungerstreik getreten.

"Chelsea hat seit ihrer Verhaftung im Jahre 2010 unter staatlicher Obhut unvorstellbare Misshandlungen erdulden müssen", sagte Mannings Anwalt. "Sie war demoralisierenden und entmenschlichenden Übergriffen ausgesetzt." Während der Haft könnten die Anwälte nur begrenzt Kontakt mit ihr aufnehmen. "Wir besuchen sie in den kommenden Wochen und stellen sicher, dass es ihr gut geht."

Chelsea Manning hatte als Soldat Bradley Manning im Irak gedient und der Enthüllungsplattform WikiLeaks Hunderttausende geheime Militärdokumente zugespielt. Die daraufhin verhängte 35-jährige Haftstrafe wegen Spionage und Verrats sitzt Manning im US-Militärgefängnis in Fort Leavenworth ab, in dem ausschließlich Männer inhaftiert sind.


Anmerkung der Redaktion: ZEIT ONLINE geht behutsam mit dem Thema Suizid um, da es Hinweise darauf gibt, dass bestimmte Formen der Berichterstattung zu Nachahmungsreaktionen führen können. Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und sogar geheilt werden.

Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym, kostenlos und wird weder auf der Telefonrechnung noch dem Einzelverbindungsnachweis erfasst. Weitere Beratungsangebote sind etwa auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention zu finden.

Hilfe für Angehörige Suizidgefährdeter bietet auch der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker unter der Rufnummer 01805 - 950 951 und der Festnetznummer 0228 - 71 00 24 24 sowie der E-Mail-Adresse seelefon@psychiatrie.de.