Der US-Wahlkampf hat sich überraschend noch einmal gedreht: Die Demokratin Hillary Clinton ist in der Defensive, seit die E-Mail-Affäre wieder in den Schlagzeilen ist, und ihr republikanischer Konkurrent Donald Trump legt nach einem Tief in vielen Umfragen merklich zu. Entscheidend ist nun, wer die sogenannten Swing States für sich entscheidet.

Was sind Swing States?

Als Swing States (Wechselwählerstaaten) bezeichnet man jene US-Bundesstaaten, in denen weder Demokraten noch Republikaner über eine strukturelle Mehrheit verfügen. Sie werden mitunter auch Battleground States, Purple States oder Toss-up-States genannt. Sie unterscheiden sich von konservativen Bundesstaaten wie Texas, wo traditionell republikanische Kandidaten meist klar vorne liegen, oder liberalen Bundesstaaten wie Kalifornien, wo meist Demokraten das Rennen machen.

Weil es in den Swing States so knapp zugeht, kommt ihnen eine besondere Bedeutung bei den Präsidentschaftswahlen zu. Denn kein US-Bürger wählt am 8. November einen der Präsidentschaftskandidaten direkt, sondern gewählt werden Wahlmänner. Für einen Sieg muss ein Kandidat mindestens 270 der 538 Wahlmänner auf sich vereinen. Um diese Zahl zu erreichen, müssen Clinton und Trump zusätzlich zu ihren sicheren Staaten auch möglichst viele Swing States gewinnen. Dabei gilt in fast allen Bundesstaaten, dass der Gewinner unabhängig von der Größe seines Vorsprungs alle Wahlmännerstimmen aus diesem Bundesstaat erhält.

Welche Bundesstaaten gelten bei der Wahl 2016 als Swing States?

Die Wählerschaft in den Bundesstaaten verändert sich über die Zeit. Deshalb sind nicht immer die gleichen Gebiete automatisch Swing States. Es gibt aber Bundesstaaten wie Ohio im Nordosten der USA, die regelmäßig Zünglein an der Waage sind. Ohio gilt mit seinen rund 11,5 Millionen Einwohnern und einer Mischung aus städtischen und ländlichen Gebieten als eine Art Mikrokosmos der USA. Der letzte US-Präsident, der ohne einen Sieg in Ohio trotzdem gewählt wurde, war John F. Kennedy.

Bei den aktuellen Präsidentschaftswahlen gelten nach neuesten Umfragen die US-Bundesstaaten Florida, Colorado, Iowa, Michigan, Nevada, New Hampshire, North Carolina, Ohio, Pennsylvania, Virginia und Wisconsin als Swing States.

Wer zieht ins Weiße Haus ein?

Zahl der Wahlmänner, die Clinton und Trump laut aktuellen Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten für sich gewinnen können.

-

Das Magazin Politico widmet sich nicht nur den Swing States, sondern auch den nächstkleineren regionalen Verwaltungseinheiten, den Countys. Von insgesamt 3.000 dieser Verwaltungseinheiten haben die Autoren 25 Battleground-Countys in elf Bundesstaaten ausgemacht. Auch die den Republikanern nahestehende Politikberatungsfirma Axiom Strategies beschäftigt sich mit den Countys, die innerhalb der Swing States den Ausschlag geben könnten.

Welche Swing States sind die wichtigsten?

Die Anzahl der Wahlmänner aus einem Bundesstaat hängt von dessen Bevölkerungsstärke ab. Daher sind grundsätzlich die bevölkerungsreichen Swing States entscheidend. Florida (29 Wahlmänner) und Ohio (18 Wahlmänner) sind traditionell besonders umkämpft. Allerdings muss sich eine Kampagne nicht zwingend auf alle Staaten konzentrieren: Kleinere Swing States wie New Hampshire (4 Wahlmänner) liefern zwar weniger Wahlmänner, allerdings muss ein Kandidat hier auch weniger Wähler von sich überzeugen, um eine einfache Mehrheit zu erreichen.

Dass es nicht nur auf die großen Swing States ankommen wird, zeigen Berechnungen des Politik-Blogs FiveThirtyEight. Sie geben einen Hinweis darauf, welchen Einfluss das Ergebnis in den einzelnen Bundesstaaten auf die gesamte Wahl haben kann. Grundlage ist dabei nicht nur die Anzahl der Wahlmänner, sondern die Gesamtkonstellation in den Umfragen. Demnach spielen nach aktuellem Stand Florida, Pennsylvania, North Carolina und Michigan die größte Rolle bei der Entscheidung, wer nächster US-Präsident wird.

Wie groß der Einfluss der einzelnen Bundesstaaten sein kann, lässt sich auch anhand einer interaktiven Grafik der New York Times (NYT) erkennen. Dort kann man den Ausgang der Wahl in zehn wichtigen Bundesstaaten festlegen und simulieren, wie sich dies auf das Wahlergebnis der beiden Kandidaten auswirken würde.

Wie sehen die Umfragen in den Swing States aus?

Auch wenn in die Umfragen in den vergangenen Tagen Bewegung gekommen ist: In den meisten umkämpften Bundesstaaten liegt Hillary Clinton weiterhin vorne. Allerdings hat Donald Trump zuletzt in entscheidenden Swing States wie Florida, Nevada und Pennsylvania aufgeholt.

Eindeutig sind die Daten aber nicht. Je nach Quelle weichen die Prognosen teilweise deutlich voneinander ab. Laut FiveNineThirty hat Clinton beispielsweise im enorm wichtigen Florida nur einen hauchdünnen Vorsprung. Die New York Times sieht sie dagegen bei soliden 67 Prozent, die Huffington Post kommt gar auf über 90 Prozent.

Wer führt in den Umfragen?

Die großen Unterschiede bei der Prognose für die einzelnen Bundesstaaten führen zu unterschiedlichen Vorhersagen für die gesamte Wahl. Laut FiveNineThirty hat Clinton derzeit eine Chance von knapp 68 Prozent auf die Präsidentschaft. Die NYT sieht dagegen eine Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent, die Huffington Post gar von 98 Prozent. Bei allen Unterschieden ist ein Trend aber quer durch alle Datenbanken gleich: Clintons Chancen auf die Präsidentschaft werden als größer eingeschätzt als die von Trump.

Ist das Rennen also doch schon gelaufen?

So einfach ist es nicht. Am Ende könnte Trump mit seiner Behauptung recht behalten, wonach viele Prognosen daneben liegen. Denn es gibt viele Unwägbarkeiten, allen voran methodische. Wird die Wahlbeteiligung richtig eingeschätzt? Welche Zusammensetzung der Wähler wurde zugrunde gelegt? Hinzu kommt, dass die Datengrundlage in vielen Bundesstaaten unzureichend ist. Auch unvermeidbare Stichprobenfehler müssen berücksichtigt werden.

Ein weiterer Aspekt: Die Berechnungen reagieren immer mit Verzögerung. Erst wenn neue Umfragen eingelaufen sind, lassen sich mögliche Auswirkungen durch den Wahlkampf und von politischen Geschehnissen abbilden. Gegenwärtig ist das Momentum durch die E-Mail-Affäre bei Trump – gut möglich, dass er in den nächsten Tagen in den Prognosen für die wichtigen Swing States weiter zulegen wird.

Welche Strategie verfolgen Clinton und Trump in den Swing States?

Gerade in den letzten Tagen vor der Wahl müssen die Kandidaten und ihre Wahlkampfteams entscheiden, welchen Swing States sie besondere Aufmerksamkeit widmen. Keine leichte Aufgabe, weil die Distanzen zwischen den Staaten zum Teil groß sind. Eigentlich müssten Clinton und Trump überall gleichzeitig sein.

"Michigan ist noch zu haben", sagte Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway am Montag auf CNN. Am selben Tag trat der Republikaner hier zweimal auf. Trump besuchte auch Colorado und New Mexico, zwei Staaten, die Barack Obama bei der letzten Wahl gewann. Im Anschluss flog er nach Wisconsin. Hier war seit Ronald Reagan kein republikanischer Kandidat mehr erfolgreich.

Hillary Clinton kämpft derweil um Arizona, das bei den letzten Wahlen immer den Republikanern zufiel. Als letzter Demokrat gewann hier 1996 ihr Ehemann Bill. Der Schwerpunkt der Clinton-Kampagne liegt aber vor allem in Ohio, Florida und North Carolina.

Besonders umkämpft aber ist Florida. Ohne diesen Staat kann Trump kaum gewinnen. Hillary Clinton tritt dort in Tampa, Orlando und Fort Lauderdale auf. Ihr Mann Bill kämpft zugleich in Florida City, Immokalee und St. Petersburg. Auch Vizepräsident Joe Biden wird in Tampa and West Palm Beach auftreten, Präsident Barack Obama in Miami und Jacksonville.

Wo finde ich Daten und Umfragen?

Eine Auswahl: