In der Türkei sind gegen neun Mitarbeiter von Cumhuriyet Haftbefehle erlassen worden. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Ein Gericht ordnete an, dass Chefredakteur Murat Sabuncu und seine Mitarbeiter wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft gesperrt werden.

Die Journalisten waren Ende Oktober festgenommen worden. Cumhuriyet veröffentlichte die Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Darin wird die Zeitung beschuldigt, die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen unterstützt zu haben. Zwar werde den Mitarbeitern von Cumhuriyet keine Mitgliedschaft in der Gülen-Bewegung oder der PKK vorgeworfen, doch gebe es "Behauptungen" und "Beweise", dass die Verdächtigen kurz vor dem Putschversuch am 15. Juli Inhalte veröffentlicht hätten, die den Aufstand legitimieren sollten.

Die Zeitung war erst im September mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Die Right-Livelihood-Award-Stiftung hatte zur Begründung mitgeteilt: "Zu einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit in der Türkei zunehmend bedroht ist, beweist die Cumhuriyet, dass die Stimme der Demokratie nicht zum Schweigen gebracht werden kann."

Internationale Kritik

In der Nacht zum Freitag hatten die türkischen Behörden auch zwölf Abgeordnete der prokurdischen Partei HDP wegen Terrorvorwürfen in Haft genommen, darunter die Co-Vorsitzenden Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ. Nach Behördenangaben wurden die Parlamentarier festgenommen, weil sie nicht vor Gericht erschienen waren, um in Terrorermittlungen auszusagen.

Die Festnahmen haben zu starker internationaler Kritik, unter anderem von den USA und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, geführt. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) vereinbarte in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yıldırım am Freitagabend, umgehend Beratungen zwischen der türkischen Regierung und dem Europaparlament einzuleiten. Dadurch soll eine weitere Eskalation vermieden werden. Bei den Gesprächen solle auch über das Schicksal einzelner verhafteter Oppositionspolitiker und Journalisten geredet werden – mit dem Ziel, diese Personen möglichst rasch freizubekommen, hieß es.