Doch wieso stimmten überhaupt Hispanics für Trump? Der Grund ist, dass es die Hispanics nicht gibt. Vielmehr haben die Mitglieder der Minderheit unterschiedliche Ansichten, Vorstellungen und Biografien, wie eine Untersuchung des Pew Research Centers zeigt. Die mehr als 55 Millionen Hispanics in den USA sind demnach keine homogene Gruppe. Zwei Drittel der von Pew Befragten gaben an, dass es innerhalb ihrer Bevölkerungsgruppe viele unterschiedliche Kulturen gebe.

Aufgrund dieser Diversität gab es unter den Hispanics im Wahlkampf auch kein entscheidendes Thema. Die Einwanderungspolitik etwa interessierte nicht jeden: Wer sein Leben in den USA etabliert hat, dort geboren ist und wenige Kontakte in die alte Heimat der Familie hat, mag sogar eine restriktivere Einwanderungspolitik befürworten. Zudem wiegt bei vielen die Angst vor Überfremdung oder Jobverlust schwer. 47 Prozent der Hispanics sehen sich laut Pew als typisch amerikanisch. Das könnte die Toleranz gegenüber den Ausfällen von Donald Trump erklären.

"Viele von uns sind Mittelschicht"

Auf Facebook gibt es Gruppen für Hispanics, die Trump unterstützt haben. "Ich habe als mexikanischstämmiger Amerikaner für ihn gestimmt und gegen Korruption und Lügen", schreibt Water Drago Nunez, der Mitglied einer solchen Gruppe ist.

So wie Trump nicht alle weiblichen Wähler mit seinen Aussagen im Wahlkampf verschreckt hat – 62 Prozent der weißen Wählerinnen ohne Universitätsabschluss gaben ihm ihre Stimme –, haben auch hispanische Wähler in ihm eine echte Alternative zu Clinton gesehen. "Viele von uns sind Mittelschicht", schreibt die Trump-Befürworterin Dianne Petersen-Maor auf Facebook. Clinton dagegen habe sie pauschal als "Latino-Minderheit" eingeordnet.

Die Hispanics haben Trump zwar nicht zum Sieg verholfen, und sie haben Clinton nicht allein den Sieg gekostet. Wichtig und unvorhersehbar waren sie aber trotzdem. Das wird so bleiben: Die Wählergruppe wächst beständig, gerade für Demokraten werden die Hispanics eine entscheidende Zielgruppe bleiben. Weder Liberale noch Konservative sollten erneut den Fehler machen, Hispanics in ihrer politischen und kulturellen Vielfalt undifferenziert anzusprechen.