Welche Stimmen haben Donald Trump den Sieg über Hillary Clinton gebracht? Der Vergleich zu den Ergebnissen bei der vorherigen Präsidentschaftswahl 2012 ist aufschlussreich, weil er die Verschiebungen zwischen den Lagern zeigt. Aber auch der Blick auf die wahlentscheidenden Themen und den Einfluss der TV-Duelle hilft, das Ergebnis zu verstehen.

Der Widerwille gegen Clinton war stärker als der gegen Trump

Clinton und Trump gewannen jeweils die Stimmen jener Wähler für sich, die ihnen sowieso nahestanden. Aber bei denen, die eigentlich beide Kandidaten ablehnten, weil sie aus ihrer Sicht zwischen Pest und Cholera entscheiden mussten, stimmten mehr für den ruppigen Außenseiter Trump als für Clinton (49 zu 29 Prozent).



 Der Widerwille gegen sie war also offenbar stärker als gegen ihn. 

Die Demoskopen lagen völlig daneben

Die Demoskopen sahen alle Clinton vorn und lagen damit völlig daneben. Mit 71,4 Prozent Sicherheit werde sie gewinnen, behauptete noch am Vorabend Demoskopie-Guru Nate Silver, der in der vorangegangenen Wahl noch den Ausgang jedes einzelnen Staates richtig vorhergesagt hatte. Diesmal aber gewann Trump in fünf Staaten, die die Demoskopen zuvor schon Clinton zugerechnet hatten. Das entschied die Wahl und sorgte für Katerstimmung bei den Demoskopen.

Clinton überzeugte weniger Geringverdiener als Obama

Bei den Wählern mit einem Einkommen unter 50.000 Dollar im Jahr gewann insgesamt Hillary Clinton die Mehrheit der Stimmen, bei den Reicheren Donald Trump. Allerdings zeigt der Vergleich zur Wahl 2012, dass diesmal weniger Amerikaner aus den unteren Einkommensklassen für die demokratische Kandidatin gestimmt haben als damals für Obama, und mehr für Trump als damals für Romney. Obama gewann hier 60 Prozent, Clinton nur 52 Prozent. Trump legte im Vergleich zu Romney um drei Prozentpunkte zu. Ganz anders am oberen Ende der Einkommensskala: Hier erreichte Clinton zwei Prozentpunkte mehr als damals Obama.

Die TV-Debatten haben Clinton nicht geholfen

Die demokratische Kandidatin wirkte besser vorbereitet, hatte im Gegensatz zu ihrem Herausforderer ihr Temperament und ihr Benehmen im Griff. So sahen es zumindest mehrheitlich die Journalisten und erklärten sie zur Siegerin. Die Wähler sahen das offensichtlich anders. Zwar gaben 26 Prozent in Nachwahlbefragungen an, das Verhalten der Kandidaten in den TV-Duellen habe am meisten ihre Entscheidung beeinflusst. Rüpel Trump schnitt in dieser Gruppe allerdings nur vier Prozentpunkte
 schlechter ab als Clinton.

Zum Vergleich: 30 Prozent gaben an, dass die Debatten keine oder kaum eine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt haben. Trump liegt in diesen Gruppen neun beziehungsweise 23 Prozentpunkte vor Clinton.

Die Jugend wählt nicht automatisch Clinton

Clinton war erwartungsgemäß stärker bei den jüngeren Wählern, aber sie konnte im Vergleich zu Obamas letztem Wahlsieg keine jungen Wähler hinzugewinnen. Sie verlor dort sogar insgesamt sieben Prozent der Stimmen in den Altersgruppen 18–29 und 30–44 Jahren.
 Trumps Anteil in der Wählergruppe war ebenso hoch wie der von Mitt Romney bei der Wahl 2012.

Die Mehrheit der Wählerstimmen bringt nicht den Sieg

Donald Trump gewann nach derzeitigem Auszählungsstand landesweit weniger der Gesamtstimmen (Popular Vote) als seine Kontrahentin. Da aber die Anzahl der gewonnenen Wahlmännerstimmen aus den einzelnen Staaten entscheidend ist, wird er nun trotzdem Präsident. Das gelang im 21. Jahrhundert bisher nur George W. Bush, als er im Jahr 2000 gegen Al Gore gewann. Die anderen drei Beispiele liegen noch weiter zurück, in den Wahljahren 1824, 1876 und 1888.






Clinton konnte bei Frauen nicht punkten

54 Prozent der Frauen stimmten für die erste weibliche Präsidentschaftskandidatin. Das sind weniger, als vor vier Jahren Barack Obama wählten, dieser hatte 55 Prozent der Frauen überzeugt. Bei den weißen Frauen war Clinton sogar unbeliebter als ihr Kontrahent Trump, der sich mehrfach frauenfeindlich geäußert hatte: 53 Prozent stimmten am Dienstag für den Republikaner. Weiße Frauen machen 37 Prozent der US-amerikanischen Wählerschaft aus.

It’s not the economy, stupid!

Bei US-Wählern, die Wirtschaft als drängendstes Problem ansehen, lag die demokratische Kandidatin zehn Prozentpunkte vor ihrem republikanischen Kontrahenten. Dass Clinton dennoch nicht gewann, lag auch daran, dass Wirtschaftskompetenz kein entscheidender Faktor bei der Wahl war. Wirtschaftskompetenz ist traditionell das Feld der Republikaner. Obama wurde in diesem Bereich auch weit weniger zugetraut als seinem Herausforderer Romney.