Im Lager von Donald Trump ist offenbar ein Machtkampf ausgebrochen. Personaldebatten, Ränkespiele und unklare Zuständigkeiten würden die Vorbereitungen für die Übernahme der Präsidentschaft bis zum 20. Januar erschweren, berichten US-Medien unter Berufung auf Quellen im Team des designierten US-Präsidenten. "Dieses Team kann so derzeit nicht funktionieren", sagte eine Person auch der Nachrichtenagentur AP.

Als zentrales Problem gilt Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Er ist an der Vorbereitung der Machtübernahme beteiligt, bringt laut Beobachtern aber am meisten Unruhe in das Trump-Lager.

Der Machtkampf geht mit überraschenden Personalentscheidungen einher. So erklärte etwa Mike Rogers am gestrigen Dienstag seinen Rückzug aus dem Übergangsteam. Das frühere Mitglied des Geheimdienstausschusses war für den Bereich nationale Sicherheit zuständig. Zuvor hatte auch Trump selbst für Unruhe gesorgt, als er den Gouverneur des Bundesstaats New Jersey, Chris Christie, vom Posten des Leiters seines Übergangsteams zu einem von mehreren Stellvertretern degradierte. Christie wurde durch den designierten Vizepräsidenten Mike Pence ersetzt.

Die New York Times berichtete zudem, dass Trump einen weiteren wichtigen Berater für Außen- und Sicherheitspolitik, Matthew Freedman, aus dem Team entfernt habe. Aus dem US-Verteidigungsministerium hieß es, dass man noch keinen Kontakt zum Trump-Team habe, um den Übergang zu organisieren.

"Wie bei einem Messerkampf"

Eine zentrale Aufgabe des Übergangsteams ist die Besetzung des Kabinetts. Laut Quellen im Trump-Lager wird hier "hart gerungen", berichtet CNN. Es gehe zu "wie bei einem Messerkampf". Ben Carson, Trumps mutmaßlicher Wunschkandidat für das Amt des Gesundheitsministers, lehnte den Posten ab. Er habe nicht die notwendige Erfahrung und werde daher lieber ein Berater des designierten Präsidenten bleiben, sagte der einzige Schwarze in Trumps engerem Führungszirkel.

Notwendige Papiere fehlen noch

Ein weiteres Problem betrifft die bürokratischen Vorgaben, die bei dem Übergang erfüllt sein müssen: So hat etwa der künftige Vizepräsident Pence in seiner neuen Funktion als Leiter des Übergangsteams noch nicht die Absichtserklärung unterzeichnet. Diese ist aber Voraussetzung, um eine weitere Kommunikation mit der Regierung des scheidenden Präsidenten Barack Obama zu ermöglichen. Man warte auf weitere Dokumente, ehe die Weitergabe von Informationen an das Übergangsteam beginnen könne, sagte Regierungssprecherin Brandi Hoffine.

Bei den Republikanern gibt es mittlerweile scharfe Kritik an der Arbeitsweise des Übergangsteams. Der ehemalige nationale Sicherheitsberater Eliot Cohen bezeichnete Trumps Mitarbeiter als "böse und arrogant". Im Wahlkampf hatte sich Cohen gegen Trump gestellt, nach dessen Wahlsieg jedoch erklärt, dass jene, die eine Tätigkeit in Trumps Regierung als Pflicht ansähen, dieser nachkommen sollten. Diese Meinung änderte Cohen nun nach einem Gespräch mit Mitgliedern des Übergangsteams.