Regierung und Opposition in Venezuela haben gemeinsam verkündet, ihren festgefahrenen Streit auf friedlichem Wege beilegen zu wollen. Die politischen Differenzen könnten "nur auf Grundlage der Verfassung und auf einem demokratischen und friedlichen Weg sowie über Wahlen" überwunden werden, sagten Vertreter beider Seiten nach zweitägigen Verhandlungen unter Vermittlung des Vatikans und der Union südamerikanischer Staaten (Unasur).

Die Regierung unter Staatschef Nicolás Maduro von der Vereinten Sozialistischen Partei (PSUV) und die rechtsgerichtete Opposition hatten im Oktober einen Dialog vereinbart. Bei den Gesprächen wurde nach Angaben des Oppositionsbündnisses Mesa de la Unidad Democrática (MUD) am Samstagabend unter anderem vereinbart, dass einige Mitglieder der Wahlbehörde neu gewählt werden sollen, um eine größere Neutralität herzustellen. Zudem solle die Unabhängigkeit des Parlaments geachtet werden. Die bisher von den Sozialisten dominierte Wahlbehörde hatte einen Anlauf für ein Referendum zur Abwahl von Präsident Nicolás Maduro gestoppt.

Die Regierung erklärte sich bereit, die Einfuhr von Lebensmitteln und Medikamenten zu ermöglichen, um der Knappheit von Gütern des täglichen Bedarfs entgegenzuwirken. Beide Seiten wollen sich am 6. Dezember erneut treffen.

Die Fronten sind äußerst verhärtet. Der Verhandlungsführer des Oppositionsbündnisses Tisch der Demokratischen Einheit (MUD), Carlos Ocariz, sagte kurz nach der gemeinsamen Stellungnahme, die Opposition werde weiter Druck machen, um einen Volksentscheid zur Absetzung Maduros und Neuwahlen zu erreichen. In der gemeinsamen Stellungnahme ist davon aber nicht die Rede.

Vor knapp einem Jahr hatte die Opposition die Mehrheit im Parlament errungen, Maduro hat dessen Macht aber zuletzt deutlich beschnitten und mit Notstandsdekreten regiert. Die Opposition wirft ihm die Umwandlung des Landes in eine Diktatur vor. Das Land mit den größten Ölreserven der Welt leidet wegen des Mangels an Devisen, Korruption und Misswirtschaft und wegen des Verfalls des Ölpreises unter einer Versorgungs- und Wirtschaftskrise. Wegen der Versorgungsengpässe gab es zuletzt immer wieder Unruhen und Plünderungen, bei Protesten wurden zahlreiche Menschen getötet. Die Opposition macht Maduro und seine Regierung für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich.

Sie kämpft für ein Referendum über eine Amtsenthebung. Doch die Wahlbehörde stoppte im Oktober die dafür nötige Unterschriftensammlung. Die Entscheidung löste Massenproteste aus. Das von der Opposition kontrollierte Parlament sprach von einem "Putsch des Maduro-Regimes".

Das Referendum müsste laut Verfassung vor dem 10. Januar stattfinden, damit nach der von der Opposition gewünschten Absetzung Maduros die von ihr für das erste Quartal 2017 angestrebte vorgezogene Präsidentschaftswahl stattfinden könnte. Regulär ist die Präsidentschaftswahl erst für Ende 2018 vorgesehen. Laut Verfassung würde der Vizepräsident das Amt bis zum Ende ausüben, wenn der Präsident zwei Jahre oder weniger vor Ende des Mandats abgewählt wird. Damit würde kein echter Machtwechsel stattfinden, wie ihn die Opposition fordert.