Im Zusammenhang mit FBI-Chef James B. Comey hat US-Präsident Barack Obama seine Zurückhaltung aufgegeben. Er kritisierte scharf, dass der Republikaner am Freitag in einem Schreiben an führende Kongressmitglieder die Diskussion um die E-Mail-Affäre der demokratischen Präsidentschaftskandidatin neu befeuert hatte. Comey hatte geschrieben, es seien neue Mails aufgetaucht, die in einem Zusammenhang mit früheren Ermittlungen gegen Hillary Clinton stehen könnten.

Obama sagte in einem Interview mit NowThis News, er werde sich nicht mit unvollständigen Informationen befassen. Er befasse sich nicht mit Leaks, sondern nur mit konkreten Entscheidungen. Der Präsident betonte, dass weder das FBI noch das Justizministerium oder andere Untersuchungsinstanzen Clinton strafbares Handeln vorwerfen konnten. Sie habe lediglich Fehler begangen. 

Obama erwähnte den Namen Comeys nicht, aber laut New York Times war klar, dass seine Kritik auf ihn zielte. Das FBI ermittelte gegen die Politikerin, weil sie möglicherweise Teile ihres streng geheimen Mailverkehrs als Außenministerin über ihren privaten Mailserver abgewickelt hatte. 

Am Dienstag hatte Obama dem FBI-Chef noch sein Vertrauen ausgesprochen. Obama halte ihn für einen integren Mann und glaube nicht, dass er insgeheim die Präsidentenwahl beeinflussen wolle, sagte ein Sprecher des Präsidialamtes. Obama werde die Entscheidung des FBI-Chefs, den Kongress über die neuen Erkenntnisse zu informieren, weder verteidigen noch kritisieren, hieß es. Das Präsidialamt gebe Comey auch keine Empfehlungen, welche Informationen er an die Öffentlichkeit geben sollte.

Das FBI hatte am Dienstag zudem einen Bericht über einen umstrittenen Gnadenerlass von Clintons Ehemann Bill veröffentlicht. Bill Clinton hatte am letzten Tag seiner Präsidentschaft, dem 20. Januar 2001, eine Reihe von Menschen begnadigt, darunter den Börsenmakler Marc Rich. Der Steuerflüchtling hatte sich in die Schweiz abgesetzt und war vom FBI gesucht worden. Die Amnestie hatte Argwohn ausgelöst, weil Richs Ex-Frau Denise zuvor Spenden an die Clinton-Präsidentenbibliothek und die Demokratische Partei überwiesen hatte.