Der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), Ban Ki Moon, glaubt an eine baldige Lösung in der Zypernfrage. Eine Einigung zwischen den Vertretern der türkischen Zyprer und der griechischen Zyprer sei noch in diesem Jahr möglich, sagte er in Mont Pèlerin in der Schweiz.

Dort beginnen am heutigen Montag Gespräche unter UN-Aufsicht, um die Teilung der Mittelmeerinsel zu überwinden. Die beiden Führer der Volksgruppen, Nicos Anastasiades und Mustafa Akıncı, hätten "einen kritischen Punkt in ihren Gesprächen erreicht", sagte Moon. Beide Seiten haben sich bereits grundsätzlich auf eine künftige Föderation aus zwei Landesteilen mit weitgehender Selbstverwaltung verständigt. Eine Lösung des Konflikts sei in Reichweite. Nicos Anastasiades und Mustafa Akıncı hätten ihre Hoffnung bekundet, dass das Treffen den Weg für das letzte Teilstück hin zu einer Einigung noch 2016 ebne.

Im Kern geht es um die Rückgabe von Teilen der Insel, die türkische Truppen besetzt haben. Diese werden von den griechischen Zyprern zurückgefordert. Über eine ausgearbeitete Verhandlungslösung müssen beide Volksgruppen in getrennten Referenden abstimmen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes begrüßte die Gespräche. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sei im Kontakt sowohl mit Vertretern der Vereinten Nationen sowie beider Volksgruppen. Es liege auf der Hand, dass bei einer Wiedervereinigung beide Seiten eine Stimme haben müssten und ihre Interessen geltend machen können müssen. Sowohl die Bevölkerung im griechisch-zyprischen Süden als auch die Bevölkerung im türkisch-zyprischen Norden müssten einer Verhandlungslösung in getrennten Referenden zustimmen.

Der Konflikt um die Mittelmeerinsel ist einer der längsten in Europa. Zypern ist seit 1974 nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention zweigeteilt. Die Inselrepublik ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union (EU). Das EU-Recht gilt aber nur im griechisch-zyprischen Süden. Dort leben 800.000 Menschen. Im Norden leben 220.000 Menschen. Der türkisch-zyprische Norden wird nur von der Türkei anerkannt. Schon vor Jahren hatte sich der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan für ein Ende der Teilung eingesetzt. Das Vorhaben war aber 2004 gescheitert.