Die ersten 34 abgelehnten Asylbewerber sind nach einem Nachtflug aus Frankfurt am Main in der afghanischen Hauptstadt Kabul angekommen. Ihr Flugzeug landete in den Morgenstunden am Hamid-Karsai-Flughafen, wo sie von der Flughafenpolizei sowie Vertretern der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und des afghanischen Flüchtlingsministeriums erwartet wurden. Die Ankunft verlief ruhig.

Abschiebungen nach Afghanistan sind umstritten, weil es in weiten Teilen des Landes Kämpfe zwischen Regierungstruppen und islamistischen Taliban gibt. Immer wieder kommt es in Afghanistan zu Anschlägen. Im Oktober wurde die Entscheidung der Bundesregierung, Abschiebungen nach Afghanistan trotz prekärer Sicherheitslage vor Ort durchzusetzen, von vielen Seiten kritisiert, darunter Asylrechtsanwälte und Menschenrechtsorganisationen.

Rund ein Viertel der ausgeflogenen Afghanen waren aus Bayern abgeschoben worden, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bestätigte. CSU-Chef Horst Seehofer begrüßte die Maßnahme und sagte, dass er hoffe, "dass es keine einmalige Aktion ist". Weitere abgeschobene Asylbewerber kamen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Hamburg und dem Saarland.

In Deutschland hatte die erste Sammelabschiebung Kritik ausgelöst: Am Frankfurter Flughafen protestierten mehrere Hundert Demonstranten. Die Ärzteorganisation IPPNW teilte mit, dass sie die Maßnahme für unvereinbar mit der Achtung der Menschenrechte halte, auch Nichtregierungsorganisationen wie Pro Asyl kritisierten die Abschiebung. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte, Bundesinnenminister Thomas de Maizière treibe ein "unbarmherziges Spiel". Die westfälische Grünen-Politikerin Monika Düker kündigte an, ihre Funktion als flüchtlingspolitische Sprecherin der NRW-Landtagsfraktion aus Protest aufzugeben.

De Maizière selbst verteidigte die umstrittene Sammelabschiebung abgelehnter afghanischer Asylbewerber. "Solche Rückführungsaktionen sind richtig und notwendig, um unser Asylsystem funktionsfähig zu halten", sagte der CDU-Politiker. Die Praxis soll deshalb "verantwortungsvoll und behutsam" fortgesetzt werden.