Die deutsche Rezeption des Paleokonservatismus leisteten vor allem Medien der Neuen Rechten, wie die Wochenzeitung Junge Freiheit oder das Online-Magazin Blaue Narzisse. Überhaupt hat die Alt-Right gute Verbindungen nach Europa. 2013 war der französische Autor Alain de Benoist bei ihr zu Gast – ebenfalls im Ronald Reagan Building, wo Richard Spencer drei Jahre später seine "Heil Trump"-Rede halten sollte – und sprach über Identitätsfragen. Benoist gilt als eine der Gründungsfiguren der Neuen Rechten in Europa und derjenige, der das einstmals linke Konzept der "Metapolitik" auf rechts umgearbeitet hat.

2015 war Guillaume Faye geladen, langjähriger Weggefährte und interner Konkurrent Benoists. Fayes Schriften kommt einige Bedeutung in der neurechten Identitären Bewegung zu. Vor allem traten beide Redner gemeinsam mit dem Alt-Right-Aktivisten Jack Donovan auf, dessen Buch Der Weg der Männer vor einiger Zeit im Verlag des Pegida-Redners Götz Kubitschek veröffentlicht wurde. Spencers National Policy Institute hat gewisse Ähnlichkeiten mit Kubitscheks privatem Institut für Staatspolitik. Es ist also nicht überraschend, dass Autoren wie Jack Donovan hier von ihm verlegt werden.

Ziel ist ein neues Barbarentum

Donovan ist Mitglied der besagten Wolves of Vinland. Sein Markenzeichen ist das Bekenntnis zum neuen Barbarentum, das auf einem hypermaskulinen Darwinismus aufbaut. Kurz zusammengefasst predigt es den Umbau der Gesellschaft in kleine männliche Kampfgemeinschaften, deren erster Zweck die Verteidigung des eigenen Territoriums ist. Frauen werden hier nur zur Reproduktion geduldet. Gewalt ist eine notwendige Tugend, ihre Überwindung in der Zivilisation eine Bedrohung, die vor allem in der Gestalt von Frauen auftritt. Ungleichheit und Überlebenskampf sind in dieser Welt die Norm, der stärkste Mann setzt sich durch. Die Natur ist eben ungerecht.

Ob amerikanische Alt-Right oder europäische Neuen Rechte, die ganze Szene pflegt einen regelrechten Kult um die agonale antike Wettkampftradition. Der zufolge hätte sich auch in der modernen Gesellschaft stets der stärkste Wettbewerber durchzusetzen – eine Rolle, die historisch wiederum nur von ethnischen Europäern erfüllt worden sei. Bei aller Rhetorik gegen den globalen Kapitalismus: Am Ende treffen sich alle wieder im Lobpreis des weißen Machtstrebens und der Forderung, es wieder von seinen Fesseln zu lösen.

Konservativ ist an diesen Inhalten so wenig wie am Hells-Angels-Erscheinungsbild Jack Donovans. Das Nachwort des deutschen Verlages preist ihn als "Starautor der angloamerikanischen 'Alternative Right-Szene'" und weist auf einen Auftritt mit Richard Spencer im NPI hin. Die Alt-Right war noch vor Trumps Wahl und der allgemeinen Aufmerksamkeit für Breitbart und ähnlichen Medien in der deutschen Neuen Rechten eingeführt, die in Trump eine "Alternative für Amerika" sah.

Die Rede, die Richard Spencers nach Trumps Wahlsieg hielt, vermittelt einen Eindruck davon, was sich diese Kreise in Deutschland noch alles verkneifen müssen. Doch schon jetzt strahlt der Sieg Trumps international aus. Genau das ist eine der größten Sorgen Geoff Eleys. Eine amerikanische Politik, die von den paranoiden Ideen eines Steve Bannons und der Alt-Right beeinflusst werde, warnt der Historiker, sei kaum mehr in der Lage, auf internationale Herausforderungen wie den Klimawandel zu reagieren. Die Folgen daraus könnten einen Druck auf die Gesellschaft erzeugen, in der die Rhetorik eines Richard Spencer zur Realität wird.