Die syrische Regierung und die Rebellen hatten sich gerade erst auf ein neues Abkommen geeinigt, um die seit Tagen stockende Evakuierung Ost-Aleppos fortzusetzen. Es sieht vor, dass die Regierung Busse in den zerstörten Stadtteil fahren lässt, damit dort ausharrende Kämpfer der Rebellen und Zivilisten in Sicherheit gebracht werden können. Im Gegenzug erlauben die Rebellen, zwei von ihnen belagerte Dörfer in der Provinz Idlib zu evakuieren. In den Orten al-Fua und Kefraja sind etwa 20.000 Menschen eingeschlossen, darunter etwa 4.500 Soldaten von Präsident Baschar al-Assad.

Dieses Abkommen ist nun aber in Gefahr. Denn mehrere Busse, die auf dem Weg nach Idlib und für die Evakuierung vorgesehen waren, wurden angegriffen und in Brand gesetzt. Das berichteten sowohl die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte als auch das syrische staatliche Fernsehen.

Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP beobachtete den Angriff. Zwei Dutzend Bewaffnete hätten die Busse gestoppt und die Fahrer zum Aussteigen gezwungen, berichtete er. Dann hätten sie die Fahrzeuge beschossen. 20 Busse seien in Brand gesetzt worden.

Die Täter seien islamistische Kämpfer der Gruppe Fatah al-Scham, meldete die Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Fatah al-Scham ist ein Ableger von Al-Kaida. Das Staatsfernsehen sprach hingegen nur von bewaffneten Terroristen und ließ dabei offen, ob es sich um Rebellen oder Islamisten handelt.

Tausende Menschen warten in Ost-Aleppo

Trotz der Attackesei die Evakuierung von Ost-Aleppo zunächst fortgesetzt worden, berichtete der Sender unter Berufung auf seinen Korrespondenten vor Ort. Mehrere Busse mit Rebellen und deren Familien hätten die letzten von Aufständischen besetzten Viertel der Stadt verlassen. Auch ein Militärsprecher sagte, dass die Pläne nicht wegen des Angriffs verhindert würden.

Am Sonntagnachmittag aber warteten tausende Rebellen und Zivilisten vergeblich in winterlicher Kälte auf ihre Evakuierung. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, nun seien die Transporte ausgesetzt.

Der Ostteil von Aleppo ist ehemaliges Rebellengebiet und wurde vergangene Woche von der syrischen Armee erobert. Nach mehreren Berichten über Gräueltaten der syrischen Armee an Zivilisten und Rebellen einigten sich die Vertreter auf eine Evakuierung der in Ost-Aleppo Verbliebenen. Die Evakuierung hatten am vergangenen Donnerstag begonnen, waren am Freitag aber von der Regierung ausgesetzt worden. Regierung und Rebellen machten sich gegenseitig dafür verantwortlich. Tausende Menschen harrten daher in den vergangenen Tagen bei Minusgraden in der Stadt aus und warteten auf die Busse, die sie in Sicherheit bringen sollten. Die Vereinten Nationen schätzen, dass noch etwa 30.000 Menschen im Osten Aleppos sind.