Russland hat ein 18-köpfiges Ermittlerteam in die türkische Hauptstadt Ankara entsandt. Es soll zusammen mit türkischen Kollegen das Attentat auf den russischen Botschafter Andrej Karlow untersuchen, sagte ein Regierungssprecher der Agentur Interfax in Moskau. Zu den Ermittlern gehörten demnach Experten des Geheimdienstes, der Polizei und des Außenministeriums. Auf das Team hätten sich die Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan geeinigt.

Am Montag hatte ein türkischer Polizist bei einer Ausstellungseröffnung den russischen Botschafter erschossen, während dieser eine Rede hielt. Drei weitere Personen wurden verletzt. Fernsehbilder zeigten den Mann, wie er sich danach zum Dschihad bekannte und auf Türkisch "Vergesst nicht Aleppo" und "Vergesst nicht Syrien" rief. Anschließend flüchtete der Bewaffnete zunächst in den zweiten Stock des Gebäudes. Dort habe er sich 15 Minuten lang einen Schusswechsel mit der Polizei geliefert, ehe diese ihn tötete, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu kündigte eine lückenlose Aufklärung gemeinsam mit den russischen Ermittlern an. Zudem werde die Straße in Ankara, in der die russische Botschaft liegt, nach dem ermordeten Diplomaten benannt. "Wir werden seinen Namen in Ankara und in unseren Herzen weiterleben lassen", sagte Çavuşoğlu.

Attentat in Ankara - Putin will Kampf gegen den Terrorismus ausweiten Der russische Botschafter Andrej Karlow wurde in Ankara erschossen. Wladimir Putin sagt, das Attentat werde die Normalisierung der russisch-türkischen Beziehungen nicht verhindern.

UN-Sicherheitsrat verurteilt Angriff als terroristische Attacke

Sechs Personen seien bereits festgenommen worden, meldeten Staatsmedien. Die Eltern, die Schwester und zwei weitere Verwandte des Angreifers seien in der westlichen Provinz Aydın in Gewahrsam genommen worden, berichtete Anadolu. Sein Mitbewohner sei ebenfalls festgenommen worden. Zudem sei deren Wohnung durchsucht worden, teilte die türkische Staatsanwaltschaft mit.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Mord. Die Ratsmitglieder bezeichneten ihn in einer Erklärung als terroristische Attacke und sprachen den Angehörigen von Karlow ihr Mitgefühl aus. Urheber, Drahtzieher und Förderer des Attentats müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er sei über diesen "sinnlosen Terrorakt" entsetzt. Es gebe keine Rechtfertigung für Angriffe auf diplomatisches Personal oder Zivilisten. Der Vorsitzende des Sicherheitsrats, der Spanier Román Oyarzun, fügte hinzu: "Jeder dieser Terrorakte ist kriminell und durch nichts zu rechtfertigen", egal was die Motivation sei und wo, wann oder durch wen er ausgeübt werde.

Das russische Außenministerium warnte davor, in die Türkei zu reisen. "Jeder sollte vor einer Türkei-Fahrt ernsthaft nachdenken, weil es dort fast täglich zu Terrorakten kommt", sagte Vizeaußenminister Oleg Syromolotow der Agentur Interfax zufolge. Reisende sollten das Risiko genau abwägen.

Weltweite Bestürzung

Weltweit hatte der Vorfall Bestürzung ausgelöst. Das russische Außenministerium sprach von einem Terrorakt, zudem verurteilten die deutsche Bundesregierung, Großbritannien, die USA und die EU den Angriff. Der zukünftige US-Präsident Donald Trump bezeichnete den Mord als eine "Verletzung aller Regeln der zivilisierten Ordnung". Bei dem Täter handele es sich um einen radikalen islamistischen Terroristen. China nannte das Attentat einen "barbarischen Akt des Terrorismus".

Der 62-jährige Andrej Karlow war 1976 in den diplomatischen Dienst eingetreten. Er diente unter anderem von 2001 bis 2006 als russischer Botschafter in Nordkorea. In der Türkei war er seit 2013 als Botschafter im Amt.   

Russland will Kampf gegen Terror verstärken

Die türkischen und russischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und Wladimir Putin sagten, das Attentat sei eine Provokation, die das Verhältnis zwischen den beiden Ländern stören soll. "Wir müssen wissen, wer die Hand des Mörders führte", sagte Putin. Russland werde seinen Kampf gegen den Terror verstärken. Derweil teilte das türkische Außenministerium mit, man werde nicht zulassen, dass das Attentat "einen Schatten auf die türkisch-russische Freundschaft" werfe.

Das Verhältnis Moskaus und Ankaras hatte sich zuletzt wieder verbessert. Beide Länder vermittelten vergangene Woche ein Abkommen zum Abzug der verbliebenen Rebellenkämpfer und Zivilisten aus dem Osten Aleppos. Karlow habe sich sehr für die Beziehungen eingesetzt, um die Krise zwischen beiden Ländern nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets im Grenzgebiet durch die Türkei zu überwinden, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa.

Am heutigen Dienstag treffen sich die Außenminister Russlands, der Türkei und des Irans trotz des Attentats in Moskau, um über das weitere Vorgehen in Syrien zu beraten. Zuvor hatten Putin und der iranische Präsident Hassan Ruhani telefoniert und versichert, möglichst schnell eine Resolution zur Lösung des Syrien-Konflikts auf den Weg zu bringen. Russland und der Iran sind Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, während die Türkei gegen Assad ist und Einfluss auf die syrische Opposition hat.

In den vergangenen Tagen hatte es in der Türkei wiederholt Proteste vor den iranischen und russischen Botschaften gegeben. Viele Türken sind empört über Assad und die Brutalität, mit der seine Armee mit Unterstützung russischer Luftangriffe die nordsyrische Stadt Aleppo zuletzt fast vollständig von den Rebellen zurückerobert hatte.