Er war der Erste seiner Partei, der Donald Trump nach dessen Wahlsieg persönlich aufsuchte. Bill de Blasio, Demokrat und Bürgermeister von New York, ließ es sich nicht nehmen, beim 45. Präsidenten der USA in seinem Luxus-Penthouse im Trump Tower vorzusprechen. Doch es ging ihm nicht darum, seinem prominentesten Bürger zu gratulieren. 

Er habe Trump wissen lassen, dass viele New Yorker sich bedroht fühlten, sagte de Blasio. Über die Antwort Trumps darauf sprach er nicht. Aber am Tag darauf schloss sich der Bürgermeister einer Anti-Trump Protestaktion an.

Während Bernie Sanders, der Held der Linken, noch von möglichen gemeinsamen Interessen mit Trump faselte, kündigte de Blasio dem gewählten Präsidenten offen den Kampf an. "Egal ob Latinos, Muslime, Homosexuelle – alle sind New Yorker, und wir werden für euch kämpfen", erklärte er. Die von Trump angedrohten Massenabschiebungen und die Einschränkungen von Abtreibungen werde man in der Stadt nicht zulassen. Sollte sich New York tatsächlich gegen den Präsidenten wenden, wäre das für Trump mehr als nur die Peinlichkeit, ausgerechnet in seiner glamourösen Heimatstadt missachtet zu werden. New York ist ein wichtiger Wirtschaftsmotor der USA. Mit 1,6 Billionen Dollar jährlicher Wirtschaftsleistung übertrifft die Metropole das Bruttoinlandsprodukt von Kanada.

De Blasio jedenfalls zeigt sich entschlossen, seine Stadt zur Bastion des Widerstandes zu machen. Zum Teil liegt das daran, dass er kommendes Jahr zur Wiederwahl ansteht, doch für den Bürgermeister der 8,5-Millionen-Metropole geht es um mehr. Er will beweisen, dass es gelingt, mit linken progressiven Ideen die Gesellschaft radikal zu verändern. Mit seiner Kampagne, die versprach, ausgerechnet die Hauptstadt des Kapitalismus in eine Insel der sozialen Gerechtigkeit zu verwandeln, war er der Überraschungssieger bei den Bürgermeisterwahlen 2013. 

Kein besserer Kontrast zu Trump als de Blasio

Kaum irgendwo prallen Arm und Reich so aufeinander wie in den Straßen von New York. Im Jahr 2014 stieg der Anteil der Spitzenverdiener, des obersten Prozents, am Gesamteinkommen der Stadt auf 40 Prozent. Nach einer Studie der University of Washington hatten dagegen 42 Prozent der New Yorker Haushalte nicht genügend Einkommen, um für das Nötigste – Wohnen, Essen, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung – aufzukommen.

De Blasios Vorgänger, der Milliardär Michael Bloomberg, hatte die Millionenmetropole mit der unterkühlten Effizienz des Vorstandsvorsitzenden geführt, der er zuvor gewesen war. Nach den zwölf Jahren seiner Amtszeit sehnte sich eine Mehrheit der New Yorker nach einem Wechsel. Doch die warmen Gefühle der Bürger für den passionierten Gerechtigkeitskämpfer in City Hall, dem New Yorker Rathaus, sind inzwischen stark abgekühlt.

In Umfragen im November erklärten 49 Prozent der Befragten, de Blasio verdiene es nicht, wiedergewählt zu werden. Den Bürgermeister plagen Skandale, politische Fehden und nicht zuletzt seine schlechte Angewohnheit, zu spät zu offiziellen Anlässen zu erscheinen. Ausgerechnet Trumps Präsidentschaft ist für ihn nun die Chance, sich als Reformer zu etablieren, als linken Kämpfer, der auf lokaler Ebene dort weitermacht, wo Obama gescheitert ist.

Man hätte sich keinen besseren Kontrast zu Donald Trump ausdenken können. De Blasio ist Berufspolitiker. Zeitweise arbeitete er im Stab von Hillary Clinton, als diese sich für das Senatorenamt in New York bewarb. Geboren in Boston, ging der junge de Blasio nach New York, um zu studieren, und blieb. Sein erstes Amt erhielt er 2009, als er zum public advocate gewählt wurde, einer Art oberster städtischer Verbraucherschützer. Die Rolle bot de Blasio Gelegenheit, seine Ideen von sozialer Gerechtigkeit zu verbreiten.