Die syrischen Regierungstruppen haben nach Angaben von Aktivisten fünf weitere bislang von Rebellen gehaltene Stadtviertel im Osten der Stadt Aleppo eingenommen. Damit kontrollierten die Soldaten von Präsident Baschar al-Assad inzwischen mehr als 70 Prozent von Ost-Aleppo, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. 

Auch die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete von einem weiteren Vorrücken der Regierungstruppen. Unter den neuerdings von den Truppen al-Assads kontrollierten Vierteln ist der strategisch wichtige Stadtteil Schaar. 

Die Eroberung dieses Stadtteil sei bedeutend, so die Beobachtungsstelle. "Denn jetzt sind die Rebellen wirklich auf die südlichen Sektoren von Ost-Aleppo beschränkt." Syrische Regimetruppen hatten bereits in den vergangenen Tagen große Teile des bisherigen Rebellengebiets im Osten Aleppos erobert. Mitte November hatten Regierungstruppen eine Großoffensive auf den Ostteil der einstigen Wirtschaftsmetropole begonnen. Seither sind mehr als 50.000 Zivilisten von dort geflohen.

Feuerpause im UN-Sicherheitsrat gescheitert

Die syrische Regierung lehnt eine Waffenruhe für Aleppo ab, wenn nicht alle Rebellen abziehen. Dies lehnen die Rebellen im Osten Aleppos trotz schwerer Verluste und vieler ziviler Opfer allerdings ab. Russland als enger Verbündeter des syrischen Regimes hatte am Montag eine Resolution des UN-Sicherheitsrats für eine einwöchige Feuerpause in Aleppo blockiert.

Zugleich kündigte Russland Verhandlungen mit den USA an, um mit Hilfe einer Feuerpause die Evakuierung Tausender Rebellen aus Ost-Aleppo abzusichern. Allerdings kam das Treffen, das in Genf stattfinden sollte, zunächst nicht zustande. Der russische Außenminister Sergej Lawrow machte dafür die US-Regierung verantwortlich, die für die Aufständischen "Zeit gewinnen" wollten. Lawrows US-Kollege John Kerry wies das zurück.

Merkel spricht von Schande

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte es "eine Schande, dass es uns bis jetzt nicht gelungen ist, Hilfskorridore zu bekommen". Auf dem CDU-Parteitag in Essen sprach sie auch von einer Mitverantwortung Moskaus. Russland und der Iran würden "das Assad-Regime bei seinem brutalen Vorgehen gegen die eigenen Bürger unterstützen", sagte die Kanzlerin.

Merkel kritisierte aber auch die ausbleibenden Reaktionen in Deutschland. "Wenn ein Freihandelsabkommen mit den USA Hunderttausende Menschen auf die Straße bringt, aber die so grausamen Bombardierungen auf Aleppo so gut wie keine Proteste auslösen, dann stimmt irgendwas nicht", sagte sie.