Griechenland bringt nach Angaben der deutschen Bundesregierung mehr geflüchtete Menschen in Hotspots unter als vorgesehen. Das geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten. Demnach befanden bis zum 21. November fast 12.000 Flüchtlinge in den fünf Unterkünften auf den ostägäischen Inseln. Platz ist dort jedoch nur für 7.450 Menschen. Die Bundesregierung beruft sich auf Informationen und Angaben griechischer Behörden.  

Auch die Unterkünfte für unbegleitete Minderjährige sind zu knapp. Laut Schätzungen leben in ganz Griechenland derzeit 2.400 unbegleitete Minderjährige. Die Einrichtungen im Land verfügen laut der Bundesregierung jedoch nur über 1.191 entsprechende Plätze.

Weitere Unterkünfte sollen für Entlastung sorgen, so das Auswärtige Amt. Aufgrund von "Widerständen in den lokalen Gemeinden" sei bisher allerdings keine Erweiterung realisiert worden.

Die Linksfraktion im Bundestag kritisiert die europäische und griechische Flüchtlingspolitik in den Registrierungszentren vor allem auf den griechischen Inseln: "Die Einrichtung der Hotspots erweist sich als Programm zur dauerhaften Inhaftierung Tausender Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen", sagte die innenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Ulla Jelpke, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wenn Griechenland bei der Bearbeitung der Anträge nicht nachkomme, müsse den Menschen ermöglicht werden, ihre Asylverfahren auch in anderen EU-Ländern zu beantragen.

Flüchtlinge werden in Griechenland in Hotspots registriert. Dort werden sie medizinisch versorgt und erhalten eine rechtliche Beratung zum Asylverfahren. Insgesamt hat die EU vier solche Zentren in Italien und fünf in Griechenland. Auch die Europäische Grundrechteagentur hat die dortigen Zustände bereits kritisiert.

Seit dem Inkrafttreten des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei im März 2016 haben insgesamt 8.701 Flüchtlinge auf den ägäischen Inseln einen Asylantrag gestellt. Es gab 5.307 Asylanhörungen und 2.964 entschiedene Fälle.