ZEIT ONLINE: Ihre Bewegung, Movimento 5 Stelle, ist der Regierungsmacht heute so nah wie nie zuvor. Wie bereiten Sie sich vor? 

Alessandro Di Battista: Die Italiener werden entscheiden, ob wir an die Regierung kommen. Wir jedenfalls wollen so schnell wie möglich dahin. Wir sind davon überzeugt, dass wir gute Lösungen für Italien finden werden. Wir arbeiten an einem Regierungsprogramm. Das machen wir online unter Beteiligung unserer Mitglieder. Wir werden bald ein noch umfassenderes Programm als jenes von 2013 vorstellen.

ZEIT ONLINE: Damals gewannen sie 25 Prozent der Stimmen …

Di Battista: Richtig, damals konnten wir uns als starke Alternative präsentieren. Wir bekamen neun Millionen Stimmen. Seither haben wir außerordentlich gute Ergebnisse bei Kommunalwahlen erzielt. Rom und Turin werden inzwischen vom M5S reagiert. Wir haben die Kampagne des "Nein" zur Verfassungsreform von Matteo Renzi angeführt und gewonnen.

ZEIT ONLINE: Sie kamen mit 35 Jahren das erste Mal ins Parlament. Sie hatten sehr wenig politische Erfahrungen, wie die meisten ihrer Kollegen. Fühlen Sie sich bereit, Italien zu regieren?

Di Battista: Als wir ins Parlament kamen, mussten wir den gesetzgeberischen Apparat erst mal kennenlernen. Niemand von uns kannte nicht einmal im Ansatz den Weg, den ein Gesetzesvorschlag gehen muss, bevor er in Kraft tritt. Wir haben aber schnell gelernt. Heute fühlen wir vor allem eine enorme Verantwortung. Wenn wir an die Regierung kommen sollten, werden wir ein Land erben, das in Trümmern liegt. Die politischen Parteien haben dieses Desaster angerichtet.

ZEIT ONLINE: Gut, aber sind Sie auf die Aufgabe vorbereitet?

Di Battista: Wir sind überzeugt, dass wir die einzige politische Kraft sind, welche die großen Probleme dieses Landes lösen kann. Wir wissen aber, dass die Aufgabe sehr, sehr schwer sein wird.

ZEIT ONLINE: Sind Sie bereit mit anderen Parteien zu koalieren?

Di Battista: Wir werden uns bei den nächsten Wahlen allein präsentieren.

ZEIT ONLINE: Auch nach den Wahlen schließen sie Koalitionen aus?

Di Battista: Sollten wir nach den Wahlen mit der Regierungsbildung beauftragt werden, werden wir dem Parlament ein Programm vorstellen und dafür um Vertrauen werben.

ZEIT ONLINE: Bisher arteten die Begegnungen von M5S mit der Regierungsmacht meist in verbalen Schlagabtausch aus. Ich erinnere an ein Treffen zwischen dem Ministerpräsidenten Matteo Renzi und Beppe Grillo …

Di Battista: Renzi wollte zu dem Zeitpunkt nur das Wachstum von M5S behindern. Wir haben ihn entsprechend behandelt. Er ist nicht glaubwürdig. Kein einziger Journalist in Italien erinnert ihn an sein Versprechen, das er landauf, landab gegeben hat: "Sollte ich das Referendum über die Verfassungsreform verlieren, werde ich aus der Politik ausscheiden!" Niemand in Italien hat den Mut, sich mit einem Mikrofon vor Renzis Haus zu stellen und zu fragen: "Wann wirst du die Politik verlassen?"

ZEIT ONLINE: Ihre fundamentale Kritik richtet sich gegen die Parteien, nicht aber gegen die Institutionen?

Di Battista: Absolut! Wir haben ja die Demokratie gegen die Antipolitik des Partito Democratico von Renzi verteidigt. Ja, es gibt die Antipolitik. Es ist das System der alten Parteienherrschaft, das alle seine Energie dafür aufwendet, uns zu behindern, anstatt sich um die Probleme des Landes zu kümmern.

ZEIT ONLINE: Sie meinen unterschiedslos alle Parteien?