Der russische Einfluss auf den US-Wahlkampf mittels Hackerangriffe soll nach einem Medienbericht von oberster Stelle gesteuert worden sein. Wie der US-Nachrichtensender NBC berichtet, soll Staatschef Wladimir Putin selbst Anweisungen für den Umgang mit den gehackten Mails der demokratischen Parteifunktionäre in den USA gegeben haben. Der Sender beruft sich in seinem Bericht auf zwei anonyme hochrangige Geheimdienstverantwortliche.

Putin habe dies anfänglich aus Rache getan, weil Hillary Clinton als Außenministerin unter Barack Obama öffentlich die Rechtmäßigkeit der russischen Wahlen von 2011 infrage gestellt habe, zitiert der Sender einen Geheimdienstmitarbeiter. Dann habe der russische Präsident sein Vorgehen ausgeweitet, um das politische System in den USA als korrupt darzustellen, berichtete der Sender weiter.     

Der Kreml wies die Berichte über eine direkte Beteiligung Putins an den Hackerangriffen auf die Demokraten zurück. Regierungssprecher Dmitri Peskow sprach von "lächerlichem Unsinn". 

Die US-Regierung hatte Russland bereits im Wahlkampf eine Einflussnahme mittels Hacks vorgeworfen. US-Geheimdienste hatten vor Manipulationen von Wahlcomputern gewarnt. Die russische Regierung bestritt die Vorwürfe. Am Freitag hatte die Washington Post über interne CIA-Unterlagen berichtet, die nahelegen sollen, dass Insider mit Verbindungen nach Moskau die Enthüllungsplattform WikiLeaks mit gehackten E-Mails der Demokratischen Partei versorgt hätten und so versucht haben sollen, dem Milliardär Donald Trump zum Wahlsieg zu verhelfen.

Nur Mails der Demokraten veröffentlicht

Die New York Times hatte gemeldet, US-Geheimdienste gingen "mit hoher Sicherheit" davon aus, dass russische Hacker in die Computersysteme sowohl der Republikaner als auch der Demokraten eingedrungen seien. Sie hätten aber nur die von den Demokraten gestohlenen Informationen an die Öffentlichkeit gebracht.

So hatte die Enthüllungsplattform WikiLeaks wenige Tage vor der offiziellen Nominierung Clintons zur Präsidentschaftskandidatin nach eigenen Angaben rund 20.000 E-Mails führender Parteifunktionäre veröffentlicht. Diese zeigten demnach unter anderem, wie hart der Vorwahlkampf innerhalb der demokratischen Partei zwischen Clinton und ihrem Widersacher Bernie Sanders ausgefochten wurde. Parteichefin Debbie Wasserman Schultz bezeichnete einen Sanders-Vertrauten in einer Nachricht als "verdammten Lügner". Aus anderen Mails sei ersichtlich geworden, dass sich die Demokraten bei ihren Parteispendern mit Zugang zu Parteipartys und Freikarten für den Parteitag bedankten.

Der Wahlsieger Trump hatte die Berichte über russische Mail-Hacks im US-Wahlkampf als "lächerlich" zurückgewiesen. Dagegen erklärte der republikanische Senator Lindsey Graham am Mittwoch, dass seine Wahlkampfaccounts von russischer Seite gehackt worden seien. Er sei drei Monate vor der Präsidentenwahl am 8. November von der US-Bundespolizei FBI über einen Hackerangriff im Juni informiert worden, sagte Graham dem Nachrichtensender CNN. Der Senator forderte Untersuchungen des Kongresses zu den Vorfällen.

Noch im Wahlkampf hatte Trump Russland aufgefordert, nach gelöschten Mails seiner Konkurrentin zu suchen. Clinton wurde im Wahlkampf immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, weil sie als Außenministerin ein privates E-Mail-Konto und private Server für ihren dienstlichen E-Mail-Verkehr genutzt hatte. Sie übergab zwar nachträglich einen Großteil ihres Mailverkehrs an das Außenministerium, löschte aber mehr als 30.000 E-Mails, die ihren Angaben zufolge persönlichen Inhalts waren.