Nachdem US-Präsident Barack Obama Sanktionen gegen Russland verhängt hat, will sich nun auch Donald Trump über die mutmaßlichen Hackerangriffe während des Präsidentschaftswahlkampfes informieren. Er werde in der kommenden Woche mit den Geheimdiensten des Landes sprechen, teilte der gewählte US-Präsident mit. Bisher hatte Trump die Vorwürfe als irrelevant abgetan.

Obama hatte als Reaktion auf die Hackerangriffe die Ausweisung von 35 russischen Diplomaten angeordnet. Auch wurden Strafen gegen die russischen Geheimdienste GRU und FSB verhängt. So sollen etwa in den USA angelegte Vermögen eingefroren werden. In einem ersten Schritt schlossen die US-Behörden am Donnerstag ein russisches Anwesen im US-Bundesstaat Maryland. Dieses galt als Freizeitanlage für russische Diplomaten – diente nach Angaben des Weißen Hauses aber auch als Ort für Geheimdienstaktivitäten.  

Vor Obamas Ankündigung der Strafen hatten die US-Geheimdienste einen neuen Report zu den Hackerangriffen veröffentlicht. Darin heißt es, Cyberangriffe auf die US-Regierung und Bürger der Vereinigten Staaten dauerten an. Laut Informationen der New York Times soll in drei Wochen ein noch ausführlicherer Bericht über die russischen Hackeraktivitäten veröffentlicht werden.

Republikaner begrüßen Sanktionen

Von den Sanktionen sind auch US-Unternehmen betroffen, die mit GRU und FSB zusammengearbeitet haben. Trump könnte diese Strafen nach seiner Vereidigung am 20. Januar vermutlich leicht aufheben. Er versprach zwar, eine offene Einstellung zu den jüngsten Erkenntnissen haben zu wollen. Doch sagte er auch, die Vereinigten Staaten müssten sich größeren und besseren Dingen widmen. In der Vergangenheit hatte er zudem betont, Obama und die Demokraten versuchten mit den Berichten über Russlands Einflussnahme, seine Wahl zum US-Präsidenten als nicht rechtmäßig darzustellen.

Unter den Republikanern hatten die Berichte über die Hackerangriffe andere Reaktionen ausgelöst. Wiederholt hatten sich führende Republikaner für Sanktionen ausgesprochen. Die Senatoren John McCain und Lindsey Graham teilten mit, die Strafen seien überfällig und lediglich ein "kleiner Preis" für Russland.

Russland streitet ab, in die mutmaßlichen Hackerangriffe involviert gewesen zu sein. Obamas Außenpolitik sei unberechenbar, aggressiv und schade den amerikanisch-russischen Beziehungen, sagte der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow. Man bedauere die angeordnete Ausweisung der Diplomaten und prüfe Vergeltungsmaßnahmen. Auf Twitter teilte die russische Botschaft in den USA mit, dass die Vorwürfe gegen Russland grundlos seien.

Drastischer äußerte sich die Sprecherin des russischen Außenministers Sergej Lawrow, Maria Sacharowa. "Das ist keine Regierung. Das ist eine Gruppe außenpolitischer Versager, böse und beschränkt", schrieb Sacharowa auf ihrer privaten Facebook-Seite mit Blick auf Obamas Regierung. Statt seine Amtszeit mit einem eleganten Punkt zu beenden, steige Obama "mit einem fetten Klecks" aus. Für Freitag kündigte Sacharowa "offizielle Mitteilungen, Gegenmaßnahmen und vieles mehr" an.