Auf die Niederlage beim Verfassungsreferendum folgte umgehend die angekündigte Konsequenz: Nur eine Stunde nach Schließung der Wahllokale erklärte Matteo Renzi seinen Rücktritt als italienischer Ministerpräsident. Anderes blieb ihm auch gar nicht übrig, schließlich hatten nur gut 40 Prozent der Bürger für seine Reform gestimmt und fast 60 Prozent dagegen.

"Ein Fest der Demokratie" sei das Referendum gewesen, hielt Renzi auf seiner nächtlichen Pressekonferenz fest, und wenigstens in diesem Punkt werden ihm wohl auch seine Gegner zustimmen. Mit fast 70 Prozent übertraf die Wahlbeteiligung alle Erwartungen, hatten doch die Meinungsforscher gerade einmal gut 50 Prozent vorhergesagt.

Mit dem Votum ist nicht bloß die Verfassungsreform, sondern das gesamte politische Projekt Renzis spektakulär gescheitert. Ein Projekt, das auf drei Säulen basierte: Renzis Ehrgeiz, erst die eigene Partei und dann das Land zu erobern; seinem Populismus; und seinem Selbstverständnis als Postideologe, der mit seiner Botschaft des Durchregierens auch ehemalige Berlusconi-Anhänger für sich gewinnen wollte.

Mit diesem Dreiklang holte Renzis Partito Democratico (PD) bei den Europawahlen im Mai 2014 noch 40 Prozent – ein glänzendes Ergebnis, das der junge Florentiner, damals erst seit fünf Monaten Parteivorsitzender, seit drei Monaten Regierungschef, als Bestätigung wertete. Silvio Berlusconis Rechte lag am Boden, Beppe Grillos Fünf-Sterne-Protestbewegung, die nur ein Jahr vorher bei den nationalen Parlamentswahlen mit 25 Prozent mit der PD gleichgezogen hatte, war nun mit gut 20 Prozent weit abgeschlagen – wer konnte Renzis Durchmarsch aufhalten?

Mit seiner Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments, im Abgeordnetenhaus und im Senat, ließ der so gestärkte Ministerpräsident schließlich die Verfassungsreform verabschieden. Am Ende setzte er gegen alle Oppositionsfraktionen eine Reform durch, die den Senat weitgehend entmachtete und die legislativen Zuständigkeiten im Abgeordnetenhaus konzentrierte. So siegesgewiss war Renzi, dass er in seiner Neujahrsansprache vor knapp einem Jahr seinen Totalrückzug aus der Politik ankündigte, sollte er das Referendum verlieren.