In Großbritannien dürfen künftig Embryos mit dem Erbgut dreier Menschen künstlich erzeugt werden. Die zuständige Aufsichtsbehörde erlaubte endgültig die umstrittene Methode, mit der die Übertragung einer schweren Erbkrankheit verhindert werden soll. Das Parlament hatte die künstliche Erzeugung von Babys mit drei Elternteilen bereits im vergangenen Jahr gebilligt.

Nach dem Votum der Abgeordneten war noch die Erlaubnis der Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie (Hefa) notwendig, damit Kliniken die Methode anwenden können. Sie betrifft Frauen, die unter einer Fehlfunktion der Mitochondrien leiden. Das sind Organellen in Zellen, die Glukose in Energiemoleküle verwandeln, sogenannte Kraftwerke der Zelle mit einer eigenen DNA. In Großbritannien werden jedes Jahr etwa 125 Babys mit einer sogenannten Mitochondriopathie geboren, die von der Mutter vererbt wird. Bei einer Fehlfunktion verfügt der Organismus nicht über ausreichend Energie, was zu schweren degenerativen Krankheiten wie Diabetes oder Muskelschwäche führen kann.

Mitochondrien einer anonymen Frau ersetzen Zellen der Mutter

Bei der in Newcastle entwickelten Technik wird die Übertragung der Mitochondriopathie von der Mutter auf das Kind blockiert, indem die defekte Mitochondrie aus der Eizelle entfernt und durch eine Mitochondrie einer anderen Frau ersetzt wird. Die andere Frau bleibt dabei anonym. Die so veränderte Eizelle wird anschließend im Labor mit dem Sperma des Vaters befruchtet und dann in die Gebärmutter der Mutter eingesetzt.

Das so entstehende Kind wird die Charakteristika seiner Mutter und seines Vaters aufweisen, weil der von der fremden Frau stammende Anteil an den Erbanlagen nur gering ist: Die DNA einer Mitochondrie macht nur ein Prozent der gesamten DNA in einer menschlichen Zelle aus. Die Veränderung des Erbgutes wird aber von Generation zu Generation weitergegeben.

"Historische und wichtige Entscheidung"

Hefa-Chefin Sally Cheshire nannte die Entscheidung "historisch und wichtig". Die Zulassung der Methode sei eine "Weltneuheit". Cheshire riet aber dazu, bei der Umsetzung weiter "Vorsicht" walten zu lassen. Die Methode birgt auch Risiken.

Die ersten Frauen könnten bereits im März oder April mit der Methode behandelt werden, wenn das Forschungszentrum in Newcastle das entsprechende Programm startet. "Wir sind hocherfreut über die heutige Entscheidung", sagte Doug Turnbull, Leiter des Zentrums für Mitochondrienforschung der Universität Newcastle. Geplant sei, dass "bis zu 25 sorgfältig ausgewählte Patientinnen" pro Jahr behandelt werden.

Der Vorsitzende des Vereins für Betroffene von Muskelschwäche, Robert Meadowcroft, sagte, die Entscheidung gebe betroffenen Eltern "zum ersten Mal neue Hoffnung und eine Wahlmöglichkeit". Er mahnte zugleich Vorsicht an: "Wir erkennen an, dass dieser Ansatz eine gewisse Unsicherheit birgt und dass der Erfolg nicht garantiert ist", sagte er. In diesem Jahr wurde bereits ein Baby mit drei Elternteilen in Mexiko geboren, wo es keine gesetzliche Regelung dazu gibt. Großbritannien ist das erste Land weltweit, das das Verfahren offiziell erlaubt. Während die Befürworter der Methode darin einen riesigen medizinischen Fortschritt sehen, befürchten die Gegner, dass die Methode der Erzeugung sogenannter Designerbabys Tür und Tor öffnen könnte.