Norbert Hofer, Kandidat der rechtspopulistischen FPÖ, hat seine Niederlage bei den österreichischen Präsidentschaftswahlen eingeräumt. Er gratulierte auf Facebook dem früheren Grünen-Chef Alexander Van der Bellen zu seinem Wahlsieg. Hochrechnungen zufolge errang Van der Bellen 53,7 Prozent, Hofer kam demnach auf 46,3 Prozent bei einem Auszählungsstand von 78,4 Prozent der Stimmen. Die Schwankung liegt bei 0,8 Prozent, laut Statistikern liegt damit van der Bellen uneinholbar vorn. Seine Anhänger feierten den Wirtschaftsprofessor in einer ersten Reaktion mit lautem Jubel. Die Wahlbeteiligung lag laut der Hochrechnung um einen Prozent höher als beim letzten Wahlgang.

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In einer ersten Reaktion sagte Lothar Lockl, Wahlkampfmanager van der Bellens, er empfinde "unglaubliche Dankbarkeit und Erleichterung." Die Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig sagte: "Das ist ein historischer Tag, eine historische Zäsur."

Dagegen gab sich Hofers Wahlkampfmanager Herbert Kickl kämpferisch: "Das Establishment, das Veränderungen verhindern will, hat heute einen Sieg erreicht, aber das ist nicht das Ende der Geschichte." Hofer selbst sagte, er sei "unendlich traurig". Er hätte gerne "auf unser Österreich aufgepasst". Auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zeigte sich enttäuscht: "Ich hätte mir mehr erhofft." Zur Erklärung der Niederlage sagte er: "Es gab eine massive Angstkampagne 'des Systems' gegen Norbert Hofer."

Die Hochrechnung berücksichtigt bereits die 700.000 Briefwahlstimmen, die erst am Montag ausgezählt werden. Knapp sechseinhalb Millionen Österreicher ab 16 Jahren waren aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Die Auszählung aller Stimmen kann bis zu zwei Tage dauern. Erst wenn das letzte Ergebnis einer Wahlbehörde vorliegt, wird das vorläufige Endergebnis von Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) verkündet. Das kann theoretisch auch erst am Dienstag sein.

Der Verfassungsgerichtshof hatte die Stichwahl vom 22. Mai wegen Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung der Briefwahlkarten aufgehoben. Damals gewann der 72-jährige van der Bellen mit einem knappen Vorsprung von 31.000 Stimmen gegen den 45-jährigen Hofer. Nach der Wahl sagte nun sein Wahlkampfmanager Kickl: "Die Wahlwiederholung hat sich ausgezahlt, denn die Wahl, wie sie heute durchgeführt wurde, hat ein demokratiepolitisches Gütesiegel erhalten. Allein aus diesem Grund war es notwendig, die Wahl zu wiederholen."