Der Anfang vom Ende gehört Norbert Hofer: Am Freitagmorgen lädt der FPÖ-Kandidat zu seiner letzten Veranstaltung im längsten Präsidentschaftswahlkampf, den Österreich je gesehen hat. Der Populist, der sonst keine Gelegenheit auslässt, über die Eliten seines Landes herzuziehen, präsentiert sich zum Abschluss selbst in noblem Ambiente, das dem Amtssitz des Bundespräsidenten in nichts nachsteht.

Von der Decke hängen schwere Kronleuchter, Stuck schwingt sich die Wände hoch im Festsaal der Börsensäle in der schicken Wiener Innenstadt. Als Hofer im zugeknöpften Dreiteiler mit Einstecktuch den Raum betritt, stehen etwa 300 Anhänger auf und klatschen ihm Beifall. Der Kandidat, sonst nicht zu fein für Krawallauftritte, arbeitete an seinem präsidentialen Image.

Parteichef Heinz-Christian Strache lobt Hofer als Familienmensch; die Basis spendet Extraapplaus an Hofers Ehefrau, eine Altenpflegerin. Hofer sei, so Strache, eine "honorige Persönlichkeit", "bürgernah und bodenständig", ein Mann, der "gut mit Menschen kann" und ein "Brückenbauer". Sein Schicksalsschlag, der Unfall mit dem Paraglider vor 13 Jahren, und sein Kampf zurück ins Leben müssten "jedem Respekt abringen".

Hofers Botschaft ist: Fürchtet euch nicht!

Als Hofer selbst das Podium betritt, verzichtet er auf einen Wesenszug seines Wahlkampfes: Statt wie so oft über seinen Gegenkandidaten herzuziehen, redet er fast ausschließlich über sein eigenes Programm. Und sucht dabei eine Balance aus offensiven Stammtischthemen und einer entspannten Rhetorik, mit der er unentschlossene Mitte-Wähler an die Urne locken will. So will er "seinen Finger in die Wunde legen", wenn in Behindertenwerkstätten nur Minimallöhne gezahlt werden. Und spricht schließlich darüber, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitswesen ist. Er wisse, wovon er rede: "Ich habe lange Zeit in Krankenhäusern verbracht." Es menschelt gewaltig.

Der stets peinlich genau frisierte Hofer, dessen Dauergrinsen zum Wahlkampfthema wurde, ist ein Karrierepolitiker: Sohn eines ÖVP-Lokalpolitikers, Parteikarriere bei der FPÖ, Mitglied im Parteivorstand, dann erst Abgeordneter, schließlich dritter Präsident des Nationalrats. Das verheimlicht er nicht, versucht aber trotzdem, sich als Antipolitiker zu inszenieren. "Ich glaube, ich kenne jedes Gasthaus im Burgenland", beschreibt er seine bescheidenen politischen Anfänge. Hausbesuche seien ihm damals "derart peinlich" gewesen.

Die Botschaft ist klar: Fürchtet euch nicht! Es gibt kein Grund, Angst zu haben vor einem FPÖ-Präsidenten, der so menschlich, verletzlich und nachdenklich ist.