Die USA haben wegen des Konflikts im Jemen USA eine Rüstungslieferung an die saudi-arabischen Streitkräfte gestoppt. Ein Regierungssprecher in Washington begründete dies der Nachrichtenagentur Reutersindirekt mit der hohen Zahl ziviler Opfer durch die saudi-arabische Militärintervention im Jemen. 

Die US-Militärkooperation mit Riad sei "kein Blankoscheck", sagte er. Die USA seien besorgt über die Art, wie Saudi-Arabien die Militärkampagne im Jemen ausführe. Das Problem sei vor allem die Zielgenauigkeit der saudi-arabischen Luftwaffe. Es sei immer wieder zu Angriffen auf Zivilisten gekommen. Deshalb wolle man nicht länger präzisionsgelenkte Munition an Saudi-Arabien liefern und die Luftwaffe in Zukunft besser schulen.

Ausschlaggebend für den Lieferstopp war offenbar der Luftangriff des Militärbündnisses im Oktober auf eine Beerdigung in Jemens Hauptstadt Sanaa mit mehr als 140 Toten. Nach dem Angriff hatten die USA angekündigt, ihrer Unterstützung für die Koalition zu überprüfen. Es solle sichergestellt werden, dass die Unterstützung "im Einklang mit den Zielen und Werten unserer Außenpolitik" stehe. Um zivile Opfer zu vermeiden, habe die USA den Streitkräften eine detaillierte Liste von Orten zukommen lassen, die nicht angegriffen werden sollten. Mindestens einer dieser Orte sei dennoch beschossen worden.

Der Lieferstopp betrifft nach Angaben aus anderen US-Kreisen Präzisionsmunition des US-Konzerns Raytheon. Es soll um mehrere Hundert Millionen Dollar schwere Aufträge für Leitsysteme gehen, mit denen einfache Bomben in präzisionsgelenkte Munition umgewandelt werden können. Dadurch können Ziele genauer getroffen werden. Von saudi-arabischer Seite gab es zunächst keine Stellungnahme zum Beschluss der scheidenden Regierung von Präsident Barack Obama.

Lange hatte die US-Regierung argumentiert, solche sogenannten intelligenten Waffen könnten die Zahl der zivilen Opfer reduzieren. "Es macht aber keinen Unterschied, wie schlau die Waffen sind, wenn nicht das richtige Ziel ausgewählt wird", sagte der Regierungsbeamte zum Ergebnis von Untersuchungen der USA.  

Rüstungslieferungen in der Kritik

US-Regierungsmitarbeiter stellten am Dienstag klar, dass trotz des Lieferstopps bei der Munition die militärische Unterstützung der USA für die von Saudi-Arabien geführte Allianz im Jemen weitergehe. Diese sei aber ohnehin "sehr begrenzt", man beschränke sich auf das Auftanken von Flugzeugen und beratende Tätigkeiten bei Luftangriffen, sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis.

Hilfsorganisationen sprachen im Zusammenhang von Luftangriffen auf Krankenhäuser, Schulen und Märkte von Kriegsverbrechen. In dem seit 20 Monaten andauerndem Konflikt im Jemen sind bereits 10.000 Menschen gestorben, darunter seien laut der UN bis August fast 3.800 Zivilisten gewesen. Es gilt als ungewöhnlicher Schritt der scheidenden Regierung von Präsident Obama, die Rüstungslieferungen an den traditionellen Partner Saudi-Arabien zu unterbrechen. Auch in Deutschland ist die Rüstungskooperation mit Saudi-Arabien umstritten.

Saudi-Arabien ist seit März 2015 in den Jemen-Konflikt involviert. Das Land führt ein internationales Militärbündnis an, das Luftangriffe gegen die schiitischen Huthi-Rebellen fliegt. Diese vom Iran unterstützten Rebellen halten dem ehemaligen Staatschef Ali Abdallah Saleh die Treue. Saudi-Arabien steht auf der Seite des ins Exil geflüchteten sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi.