Tucker Carlson und Glenn Greenwald sind sich selten einig. Normalerweise bewegen sich die beiden Journalisten an den unterschiedlichsten Polen des ohnehin extremen politischen Spektrums der USA. Greenwald ist seit seiner Kollaboration mit dem NSA-Whistleblower Edward Snowden ein Held der Linken, Carlson ist als Moderator des konservativen Senders Fox seit Langem ein Sprachrohr der republikanischen Partei.

Umso erstaunlicher war es, dass die beiden in der vergangenen Woche im wohlgestimmten Duett verkündeten: Die vermeintliche Affäre über einen russischen Eingriff in den US-Wahlkampf werde viel zu hoch gehängt. Dem Vorwurf der Manipulation der öffentlichen Meinung durch Hackerangriffe müsse mit äußerster Skepsis begegnet werden.

Weder Carlson noch Greenwald sind als große Freunde des designierten nächsten US-Präsidenten Donald Trump bekannt. Auch der Wahlsieger ließ am Donnerstag wissen, dass er finde, man solle die ganze Geschichte um Cyberattacken auf die demokratische Partei durch den russischen Geheimdienst ruhen lassen und nach vorne schauen. Der Trump-Tweet war die offizielle Reaktion aus seinem vergoldeten New Yorker Penthouse auf die Sanktionen, die der scheidende Präsident Barack Obama gegen Russland verhängt hat. 

Falken loben Obama

Der Umgang mit Moskau spaltet die Amerikaner und lässt Allianzen erkennen, die es bislang so nicht gab. So fand das harte Durchgreifen des Demokraten Obamas unter Republikanern in Washington deutlich vernehmbaren Applaus. Die Senatoren John McCain und Lindsey Graham, zwei aktenkundige Falken im Parlament, lobten Obama überschwänglich und kündigten an, weitere Sanktionen gegen Russland anzustreben.

Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, stimmte in den Chor ein und verlautbarte, dass "dies das lange überfällige Ende" der gescheiterten Appeasement-Politik Obamas gegenüber Putin sei. Das fand auch der Mehrheitssprecher im Senat, Mitch McConnell, der sagte: "Dies ist ein guter erster Schritt in die richtige Richtung, auch wenn er viel zu spät kommt."

So wird sich Donald Trump bei seiner Amtsübernahme am 20. Januar einem Kongress gegenüber sehen, in dem seine Republikaner zwar die Mehrheit besitzen, die aber in Russland-Fragen ganz anders ticken als er. "Obamas Maßnahmen haben die Republikaner in eine Zwickmühle zwischen ihrer Parteilinie und Trump gebracht", schreibt das Portal Politico.