Nach einer Korruptionsaffäre in Südkorea hat die dortige Opposition formal die Entmachtung der politisch angeschlagenen Präsidentin Park Geun Hye im Parlament beantragt. Der Antrag sei von 171 Abgeordneten unterstützt worden, sagte eine Sprecherin der Demokratischen Partei Koreas am Samstag.

Demnach soll am kommenden Freitag im Parlament über den Beginn des Verfahrens abgestimmt werden. Noch ist unklar, ob die Opposition die dazu notwendige Zweidrittelmehrheit (200 von insgesamt 300 Abgeordneten) erreicht. Dazu wäre sie auf 29 Stimmen aus der regierenden Saenuri-Partei angewiesen.

Die Vorwürfe: Machtmissbrauch, Verfassungs- und Gesetzesbruch

"In Ausübung ihrer Pflicht hat Präsidentin Park Geun Hye weit und schwerwiegend gegen Verfassung und Gesetze verstoßen", heißt es in dem Antrag zur Amtsenthebung. Die Opposition wirft ihr zudem Pflichtverletzung, Machtmissbrauch und andere Vergehen vor. Sie soll ihrer langjährigen Freundin Choi Soon Sil erlaubt haben, sich ohne öffentliches Amt in die Regierungsgeschäfte einzumischen. Zudem soll Choi ihre Beziehung zur Präsidentin genutzt haben, um Unternehmen als Sponsoren für zwei private Stiftungen zu gewinnen – unter anderem den Softwarehersteller Samsung.

Die 60-jährige Choi sitzt inzwischen wegen des Verdachts auf Betrug und Machtmissbrauch in Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft Park Mittäterschaft vor; diese weist den Vorwurf, in kriminelle Aktivitäten verwickelt zu sein, jedoch zurück.

Am Samstagabend (Ortszeit) wollen in Seoul erneut Hunderttausende Menschen für eine Amtsenthebung demonstrieren; die Organisatoren erwarten 1,5 Millionen Teilnehmer. In den vergangenen sechs Wochen gingen Millionen von Südkoreanern gegen Park auf die Straße.

Am Dienstag hatte sie angeboten, unter bestimmten Bedingungen zurückzutreten. Kritiker werteten dies als Spiel auf Zeit und als Versuch, dem entwürdigenden Amtsenthebungsverfahren zu entgehen.