Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye hat mit ihrem Rücktrittsangebot unter Bedingungen den Unmut der Bürger nicht dämpfen können. Bei den sechsten Kerzenlicht-Demonstrationen innerhalb von wenigen Wochen forderten am Samstag in Seoul erneut Hunderttausende Südkoreaner den sofortigen Rücktritt der konservativen Staatschefin. Grund für die Proteste sind Korruptionsvorwürfe gegen eine langjährige Freundin Parks. Wenige Stunden zuvor hatte die Opposition im Parlament einen Antrag zur Entmachtung der Präsidentin eingebracht.

Nach Angaben der Veranstalter nahmen diesmal mehr als 1,5 Millionen Menschen an den Straßenprotesten teil. Die Polizei gab deren Zahl mit mehr als 300.000 an. Zum ersten Mal kamen Demonstranten bis auf 100 Meter an den von der Polizei abgeschirmten Präsidentenpalast im Zentrum der Hauptstadt heran.

Park hatte sich am Dienstag zum dritten Mal für die Affäre um ihre Freundin Choi Soon Sil entschuldigt. Die Präsidentin erklärte sich zum Rücktritt bereit, macht dies jedoch von einer Einigung der Parteien auf eine geordnete Machtübergabe abhängig. Die Opposition ging darauf nicht ein und drängt auf ihre Amtsenthebung.

In dem Antrag der Opposition werden Park Verstöße gegen die Verfassung und andere Gesetze durch Pflichtverletzung, Machtmissbrauch und weitere Vergehen vorgeworfen. Sie soll sie Choi Soon Sil erlaubt haben, sich ohne öffentliches Amt in die Regierungsgeschäfte einzumischen.

Park wird zudem beschuldigt, das Marktsystem gestört zu haben. Ihre Freundin soll mit Parks Billigung Druck auf Unternehmen ausgeübt haben, damit diese zwei private Stiftungen sponsern. Park bestreitet die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, in kriminelle Handlungen verstrickt zu sein. Ihre reguläre Amtszeit endet im Februar 2018.