Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat neue Verhandlungen mit den USA über den Krieg in Syrien angekündigt. Demnach sollen an diesem Dienstag oder spätestens am Mittwoch Experten beider Seiten über die Lage in Aleppo beraten. Hauptthema sei der Abzug aller bewaffneten Gruppen aus dem Osten der umkämpften Stadt. Sollte dies gelingen, sei ein Waffenstillstand möglich, sagte Russlands Chefdiplomat der Agentur Interfax zufolge. 

Am vergangenen Freitag war Lawrow mit seinem US-Kollegen John Kerry in Rom zusammengetroffen. Angesichts dieses Gesprächs sei er für die geplanten Verhandlungen in der Schweiz zuversichtlich, sagte Lawrow nun.

Viele Experten bezweifeln allerdings eine baldige Einigung zwischen den beiden wichtigsten Kriegsparteien und ihren Verbündeten. So steht der Kreml an der Seite des Regimes in Damaskus, die USA wiederum unterstützen oppositionelle Rebellen. Diese Antipoden dürften sich in der anstehenden Sitzung des Weltsicherheitsrats in New York zeigen, wo auf Antrag von Spanien, Ägypten, und Neuseeland über eine neue Resolution abgestimmt werden soll. Zur Debatte steht eine siebentägige Waffenpause allein für Aleppo. Demnach sollen alle Beteiligten die Kämpfe einstellen, damit dringend benötigte Hilfslieferungen in die Stadt gebracht werden können. Nach Möglichkeit soll die Waffenpause nach sieben Tagen verlängert werden.

Russland hatte sich als enger Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad aber stets gegen eine solche Resolution gesperrt. Und auch für diese Abstimmung sieht es bislang nicht so aus, als ob sich die Vetomacht für eine andere Position durchringen konnte. Stattdessen plädierte die russische Führung erneut für eine verlängerbare Waffenpause von 24 Stunden, von der dschihadistische Gruppen ausgenommen sein sollen.

Aus Aleppo selbst dringen neue Schreckensmeldungen. "Es gibt keine Worte, um die Lage zu beschreiben", heißt es seitens syrischer Aktivisten. "Bomben, Bomben, Bomben. Das Regime rückt aus vielen Richtungen vor, die Menschen haben Angst vor einem Völkermord." Die Menschen dort beklagen akuten Mangel an Trinkwasser, Nahrungsmittel und medizinischer Versorgung. Nach UN-Angaben gibt es kein funktionierendes Krankenhaus in Aleppo mehr.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die von unabhängiger Stelle bislang nicht verifiziert werden können, wurden seit Beginn der Großoffensive der syrischen Armee Mitte November mindestens 319 Zivilisten – darunter 44 Kinder – im Osten der Stadt getötet. Mehr als 50.000 Bewohner Ost-Aleppos ergriffen angesichts der Kämpfe die Flucht.

Wie die oppositionsnahe Organisation weiter mitteilte, kontrollieren die Regimetruppen und ihre Verbündeten inzwischen mehr als zwei Drittel des Gebietes, das bis vor kurzem in den Händen von Milizen der Opposition war. Augenzeugen berichteten von heftigen Kämpfen und Artilleriebeschuss auf die Rebellengebiete der einstigen Wirtschaftsmetropole, die zu den umkämpftesten Gebieten im syrischen Bürgerkrieg gehört. Die Armee geht davon aus, dass die vollständige Einnahme der Stadt nur noch eine Frage von Wochen ist.