In der umkämpften syrischen Stadt Aleppo soll in den nächsten Stunden Rebellen zufolge eine neue Waffenruhe in Kraft treten. Die Aufständischen haben ein neues Waffenstillstandsabkommen verkündet. Für Donnerstagmorgen sei der Abzug aus den in ihrer Kontrolle verbliebenen Gebieten im Osten der nordsyrischen Stadt geplant, erklärten Sprecher dreier Rebellengruppen. Nach dem Inkrafttreten der Feuerpause gab es allerdings Berichte über weitere Bombardements von Rebellenenklaven in Ost-Aleppo.

Am Donnerstagmorgen sollten die ersten Menschen aus den Rebellengebieten Aleppos gebracht werden, sagten Sprecher der radikalislamischen Milizen Ahrar al-Scham und Nureddin al-Sinki. Der Sprecher von Nureddin al-Sinki sagte, auch über die Rebellen sei eine Vereinbarung getroffen worden, doch wollte er sich nicht weiter dazu äußern. Eine der Regierung in Damaskus nahestehende Quelle dementierte die Angaben jedoch. Es gebe keine Einigung, die Verhandlungen liefen noch, hieß es.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte unterdessen, die Kämpfe dauerten an. Demnach sei es den Truppen und ihren Verbündeten gelungen, die Hälfte des Viertels Sukkari unter ihre Kontrolle zu bringen. Aktivisten berichteten von neuen Luftangriffen. Aus regierungsnahen Kreisen hieß es, die Armee und verbündete Milizen hätten den bislang heftigsten Angriff auf die oppositionellen Milizen begonnen.  

Bewohner, Aktivisten und medizinische Hilfskräfte berichteten unterdessen weiter von Chaos in dem winzigen Gebiet, das sich noch unter Kontrolle der Opposition befindet. Auf Videos aus dem Kampfgebiet war der Lärm von Explosionen zu hören. Der Aktivist Mahmoud Raslan aus Aleppo sagte: "Sie haben mit den Angriffen begonnen, als gebe es so etwas wie eine Waffenruhe oder eine Evakuierung von Zivilisten gar nicht. Sie haben angekündigt, dass sie uns alle töten werden."


Ein am Dienstag ausgehandeltes Abkommen über den Abzug von Kämpfern und Rebellen war am Mittwoch zunächst nicht umgesetzt worden. Russland als Unterstützer der Regierung beschuldigte die Regimegegner, sich nicht an die Einigung gehalten und die Waffenruhe gebrochen zu haben.

Die Rebellen wiederum warfen mit der Regierung verbündeten, iranischen Milizen vor, sie hätten das Abkommen mit neuen Angriffen zum Scheitern gebracht. Demnach soll der Iran gefordert haben, dass auch die Blockade der vor allem von Schiiten bewohnten Orte Fua und Kafraja im Nordwesten Syriens aufgehoben wird. Diese werden seit Langem von Rebellen belagert.

Regierungstruppen haben seit Beginn einer Offensive den größten Teil der von oppositionellen Milizen kontrollierten Gebiete Aleppos eingenommen. In den noch verbliebenen Vierteln der Rebellen halten sich noch Zehntausende Zivilisten auf. Wegen der monatelangen Blockade herrscht dort akuter Mangel an Trinkwasser, Nahrung und medizinischer Versorgung.

UN-Sicherheitsrat - "Schämen Sie sich gar nicht?" Samantha Power, US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, hat ihren russischen Kollegen bei der Debatte zu Aleppo im Sicherheitsrat UN angegriffen. Der reagierte mit einem Gegenangriff. © Foto: UNTV

Türkei, Russland und Iran planen Syrien-Gipfel

Die Türkei, Russland und der Iran planen indes einen Syrien-Gipfel. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte am Mittwoch dem Sender TGRT: "Wir bemühen uns hart darum, eine Waffenruhe im gesamten Land (Syrien) herzustellen und einen Gipfel zu beginnen, um eine politische Lösung zu finden." Eine Zusammenkunft werde am 27. Dezember in Moskau stattfinden, an der Russland und der Iran teilnehmen würden.

Die Türkei unterstützt Rebellen im Kampf gegen die syrische Regierung. Russland und der Iran haben sich hingegen dafür eingesetzt, die Regierung an der Macht zu halten. 

"Von einer Feuerpause kann keine Rede sein"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Dienstag in einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin für eine sofortige Waffenruhe in Aleppo eingesetzt und ungehinderten Zugang für humanitäre Helfer gefordert. Als wichtigster Verbündeter stehe Russland "in der Verantwortung", die syrische Regierung zu "überzeugen". Die Vereinten Nationen hatten freien Abzug für Zivilisten gefordert. 

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen John Kerry gesagt, dass die syrische Regierung bereit sei, den Rebellen freien Abzug zu gewähren. Syriens Machthaber Baschar al-Assad kündigte an, dass die Armee weiterhin mit Härte gegen die Rebellen vorgehen werde. "Von einer Feuerpause kann keine Rede sein", sagte Al-Assad dem russischen Staatsfernsehen in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview.