Die Türkei hat in Syrien bereits kurz nach Mitternacht ihren ersten Luftangriff gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gestartet. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu mitteilte, sei unter anderem die nordsyrische Region Al-Bab bombardiert worden. Um Mitternacht begann die landesweite Waffenruhe, die von Russland und der Türkei vermittelt wurde. Die verschiedenen Rebellengruppen sollten sich seitdem nicht mehr bekämpfen. Dschihadistengruppen wie der IS seien ausgenommen. Bisher sollen 26 IS-Anhänger von dem türkischen Luftangriff getötet worden sein.

Die Türkei und Russland fungieren als Garantiemächte der Feuerpause, wie das Außenministerium in Ankara mitteilte. Nach ersten Erkenntnissen blieb diese  in den ersten Stunden relativ intakt. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete zwar von Kämpfen nahe Hama, kleine Rebellengruppen und bewaffnete Loyalisten hätten versucht, die Feuerpause dort zu stören. In anderen Landesteilen schien die Waffenruhe aber zu halten. Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, die Übereinkunft werde in Ost-Ghuta, Damaskus und Idlib seit Mitternacht eingehalten. Frühere Versuche, eine stabile Waffenruhe zu erreichen, sind immer gescheitert.

Kurz vor Beginn der Waffenruhe soll es laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus bereits mehrere Luftangriffe gegeben haben. Russland und die Türkei unterstützen in Syrien unterschiedliche Seiten: Russland ist der wichtigste Verbündete von Staatschef Baschar al-Assad und unterstützt dessen Truppen auch militärisch. Die Türkei steht dagegen Teilen der bewaffneten Rebellengruppen nahe. Zuletzt hatten sich Russland und die Türkei jedoch angenähert.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte, die Vereinbarung zur Waffenruhe betreffe 62.000 Oppositionelle, die im ganzen Land gekämpft hätten. Das russische Militär habe gemeinsam mit den türkischen Kräften eine Rufnummer eingerichtet, mit der die Einhaltung des Waffenstillstands überwacht werden sollte. Russlands Außenminister Sergej Lawrow ergänzte, sobald der gewählte US-Präsident Donald Trump im Amt sei, sei dieser willkommen, an den geplanten Friedensgesprächen teilzunehmen.

Die Waffenruhe gilt auch nicht für Gruppen, wie die kurdische YPG, die von der Türkei als Terrororganisation betrachtet wird. Der internationale Kampf gegen den IS werde fortgeführt. 

Hoffnung für Friedensgespräche in Astana

Sollte die Feuerpause weiter halten, sollen Gespräche folgen, bei denen die Türkei und Russland im Januar in der kasachischen Hauptstadt Astana zwischen Vertretern der syrischen Opposition und der syrischen Regierung vermitteln wollen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte erklärt, die syrische Regierung und ihre Gegner hätten die Bereitschaft dazu gezeigt.

Die USA begrüßten die beabsichtigte Waffenruhe. Dies sei eine positive Entwicklung, sagte der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Mark Toner. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, äußerte die Hoffnung, dass durch die Waffenruhe das Leben von Zivilisten gerettet, Hilfslieferungen im ganzen Land erleichtert und der Weg für produktive Gespräche in Astana geebnet würden. De Mistura bot seine Unterstützung für diese Gespräche an, die nicht unter dem Dach der Vereinten Nationen stattfinden sollen. Zugleich sprach er sich erneut für innersyrische Verhandlungen unter Federführung seines Büros Anfang Februar 2017 aus.