Der stellvertretende Parteichef der CSU hat die Aufnahme von 20.000 syrischen Flüchtlingen in die Europäische Union gefordert. Dies sei aufgrund der katastrophalen Lage der Menschen in der Stadt Aleppo nötig, sagte Manfred Weber der Bild am Sonntag: "Kein Land kann sich jetzt rechtfertigen, dass es nicht helfen kann. Alle, die sich auf die christlichen Grundlagen Europas berufen, müssen handeln."

Europa müsse viel entschiedener handeln, auch in humanitärer Hinsicht, sagte der Politiker. "Dazu gehört vor allem EU-Soforthilfe vor Ort, aber möglicherweise auch ein festes europäisches Kontingent für Flüchtlinge." Europa könne sich "nicht nur mit dem Scheckbuch freikaufen". Nach Webers Vorstellung sollten die Kontingentflüchtlinge auf die europäischen Länder verteilt werden. In der Praxis dürfte dies schwierig werden, da einige EU-Länder vor allem in Osteuropa keine Flüchtlinge aufnehmen wollen.

Eine solche humanitäre Geste widerspräche auch nicht der Forderung seiner Partei, eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen festzulegen, sagte Weber. "Obergrenze bedeutet eine Festlegung mit Maß und Ziel, aber keine Abschottung und Abriegelung." 

Evakuierung von Aleppo gestoppt

Die nordsyrische Stadt Aleppo war lange Zeit die Hauptstellung der oppositionellen Rebellen im Land. Mithilfe seiner Verbündeten Russland und dem Iran konnte Machthaber Baschar al-Assad die Stadt wieder unter seine Kontrolle bringen.

Mit den Rebellen war eine Vereinbarung zur Evakuierung der Ostteile Aleppos ausgehandelt worden, die am Freitag abgebrochen worden war. Sie soll nun doch weitergehen, nachdem sich Rebellen und Regierung am Samstag auf ein neues Abkommen einigten, das den Abzug der restlichen Kämpfer und Zivilisten aus dem umkämpften Stadtteil ermöglichen soll. Berichte über die Zahl der in Ost-Aleppo verbliebenen Zivilisten schwanken zwischen 15.000 und 40.000, die Zahl der Kämpfer wird mit schätzungsweise 6.000 angegeben.