Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat die Dschihadistenmiliz  "Islamischer Staat" (IS) am Sonntag erneut die Kontrolle über die Wüstenstadt Palmyra übernommen. Die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad hätten sich zurückgezogen. Kämpfer des IS waren am Samstag bereits kurzzeitig in Palmyra einmarschiert. Sie wurden durch russische Luftangriffe aber zunächst wieder zum Rückzug gezwungen. Dabei wurden nach russischen Angaben 300 IS-Kämpfer getötet.

"Trotz der anhaltenden Luftangriffe hat der IS ganz Palmyra wieder zurückerobert", sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die den syrischen Rebellen nahestehende Organisation mit Sitz in Großbritannien beruft sich auf Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen. Auch das IS-Sprachrohr Amaq berichtete, die Dschihadisten hätten die antike Wüstenstadt wieder vollständig unter ihrer Kontrolle.

Der IS hatte vor wenigen Tagen eine neue Offensive in der Provinz Homs gestartet, in der die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende antike Oasenstadt liegt. Am Samstag dann waren Einheiten des IS auch wieder in Palmyra eingerückt und hatten die Wüstenstadt zu großen Teilen wieder erobert, nur im Süden lieferte er sich noch heftige Kämpfe mit syrischen Regierungstruppen, bis die russischen Bombenangriffe sie kurzzeitig wieder vertrieben.

Die Islamisten hatten Palmyra erstmals im Mai 2015 eingenommen, waren vor neun Monaten jedoch von der syrischen Armee mit Unterstützung ihres russischen Verbündeten vertrieben worden. Während ihrer Herrschaft in Palmyra hatten sie zahlreiche einzigartige Kulturgüter zerstört.

Auch in der syrischen Stadt Aleppo wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag erneut gekämpft. Mehr als 10.000 Menschen sind nach Angaben der Beobachtungsstelle seit Mitternacht aus den Rebellenvierteln im Südosten der syrischen Stadt geflohen. Sie hätten "wegen der schweren Kämpfe und Bombardements" in dem von der Regierung kontrollierten Westteil der Stadt Zuflucht gesucht. Seit dem Beginn ihrer Großoffensive Mitte November eroberten die Regierungstruppen mehr als 85 Prozent von Ost-Aleppo von den bewaffneten Rebellen zurück.