Syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten haben am späten Freitagabend ein weiteres Stadtviertel der umkämpften Metropole Aleppo aus der Hand der Rebellen erobert. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, rückte die syrische Armee nach heftigen Gefechten in das Viertel Tarik al-Bab im Nordosten der Rebellengebiete ein.

Damit beherrscht die Opposition immer weniger Stadtviertel im Osten der geteilten Stadt. Der Organisation zufolge befinden sich nun 60 Prozent von Ost-Aleppo wieder in den Händen der Regierung. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist in Syrien breit vernetzt, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite aber kaum überprüfbar.

Der Beobachtungsstelle zufolge kontrollieren die Regierungstruppen nun auch wieder eine Straße, die den Westen der Stadt und den internationalen Flughafen von Aleppo verbindet. Sowohl West-Aleppo als auch der Flughafen werden von der Regierung kontrolliert. Der Einnahme von Tarik al-Bab gingen den Angaben zufolge heftige Kämpfe voraus. Dadurch seien erneut zahlreiche Zivilisten dazu getrieben worden, in andere Bezirke zu flüchten.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah am Freitag noch einige Rebellenkämpfer in Tarik al-Bab, während die regierungstreuen Kämpfer allmählich vorrückten. Geschäfte und Bäckereien in dem Stadtviertel waren verriegelt, Gemüsestände durch Angriffe schwer beschädigt.

Die syrische Metropole Aleppo war seit 2012 in einen von den Aufständischen gehaltenen Osten und einen von der Regierung kontrollierten Westen gespalten. Mitte November startete die syrische Führung eine Großoffensive, um die Stadt vollständig zurückzuerobern. Der Kampf um Aleppo gilt als entscheidend für den weiteren Verlauf im syrischen Bürgerkrieg.

Die Kämpfe trieben in den vergangenen Tagen Zehntausende Menschen aus Ost-Aleppo in die Flucht. Seit Mitte November wurden zudem nach Angaben der Beobachtungsstelle über 300 Zivilisten in Aleppo bei Angriffen getötet.

Vertreter der Vereinten Nationen äußerten sich in den vergangenen Tagen besorgt über die Situation in Aleppo und verschärften ihre Warnungen. Ohne Gegenmaßnahmen könne sich die umkämpfte Großstadt in "einen gigantischen Friedhof" verwandeln, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien. Der französische UN-Botschafter sagte, das derzeitige Kriegsgeschehen in der Stadt "könnte eines der schlimmsten Massaker an der Zivilbevölkerung seit dem Zweiten Weltkrieg" bedeuten.