Die syrische Armee hat nach Angaben des russischen Außenministers Sergej Lawrow ihre Angriffe in Ost-Aleppo vorübergehend eingestellt. Zivilisten sollen so in Sicherheit gebracht werden. "Ich kann Ihnen heute sagen, dass die Kampfhandlungen der syrischen Armee in Ost-Aleppo unterbrochen wurden", sagte Lawrow laut russischen Nachrichtenagenturen beim OSZE-Ministerrat in Hamburg. Derzeit laufe in Aleppo eine "große Operation", um Zivilisten in Sicherheit zu bringen. Einen solchen Schritt hatte der syrische Machthaber Baschar al-Assad zuletzt noch ausgeschlossen.

Rebellengruppen widersprachen der Darstellung Lawrows. Es gebe noch immer Gefechte zwischen Regimekräften und oppositionellen Milizen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch Einwohner der Rebellengebiete in Ost-Aleppo berichteten von Artilleriebeschuss und Jets am Himmel. Ein Sprecher der Rebellenmiliz Nur al-Din al-Sinki sagte, Lawrow habe falsche Angaben gemacht.

Wegen der katastrophalen humanitären Lage im Ostteil von Aleppo hatte der Chef der UN-Hilfsmission für Syrien, Jan Egeland, eine sofortige Waffenruhe in der nordsyrischen Großstadt gefordert. Bereits am Mittwoch hatten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und die USA die Konfliktparteien in einer gemeinsamen Erklärung zu einem sofortigen Waffenstillstand aufgerufen.

Beim Ministerrat der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) in Hamburg war die Lage in Aleppo ebenfalls Thema. US-Außenminister John Kerry und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) trafen getrennt voneinander mit Lawrow zusammen. Dabei vereinbarten Lawrow und Kerry für Samstag ein neues Treffen von Militärexperten und Diplomaten in Genf. Dabei soll es um die Einzelheiten eines Abzugs syrischer Rebellen sowie von Zivilisten aus dem Ostteil der umkämpften Stadt Aleppo gehen.

Russland ist Syriens wichtigster Verbündeter. Das Land trug durch seine seit September 2015 gewährte Militärhilfe maßgeblich dazu bei, dass die Regierungstruppen die Oberhand gewannen. Seit dem Beginn einer Großoffensive Mitte November haben Assads Soldaten einen großen Teil der von den Rebellen kontrollierten Stadtviertel im Osten Aleppos zurückerobert. Nach Angaben von Aktivisten verloren die Aufständischen 85 Prozent der von ihnen kontrollierten Gebiete in der Stadt.