Der künftige US-Präsident Donald Trump hat sich gegen Vergeltungsmaßnahmen für mutmaßliche russische Hackerangriffe im US-Wahlkampf ausgesprochen. Man sollte die Sache auf sich beruhen lassen, sagte der Republikaner vor Journalisten auf seinem Anwesen in Florida. "Ich glaube, Computer haben unser Leben sehr kompliziert gemacht", sagte Trump. "Das ganze Computerzeitalter hat dazu geführt, dass niemand so genau weiß, was eigentlich vor sich geht." Man habe nicht die Art von Sicherheit, die man brauche.

Zuvor hatten sowohl der US-Nachrichtensender CNN als auch die Washington Post berichtet, dass der scheidende US-Präsident Barack Obama kurz davor stehe, Strafmaßnahmen gegen die Regierung in Moskau zu verhängen. Nach Angaben der Zeitung sind unter anderem Wirtschaftssanktionen und diplomatische Schritte vorgesehen. CNN zufolge könnten auch die Namen von Verdächtigen genannt werden, die nach Ansicht der US-Geheimdienste an den russischen Cyberattacken gegen die Demokratische Partei der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton beteiligt waren. Demnach könnte die Regierung die Sanktionen noch an diesem Donnerstag verkünden. 

"Wir sollten im Leben nach vorne schauen"

Obama hatte bereits vor wenigen Tagen über eine Vergeltung für die mutmaßlichen Hackerangriffe gesprochen. "Ich denke, es gibt keinen Zweifel daran, dass wir handeln müssen, wenn eine ausländische Regierung versucht, die Integrität unserer Wahlen anzugreifen", sagte er dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender NPR. "Und das werden wir – zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, den wir bestimmen." Nach eigener Aussage hat er den russischen Präsidenten Wladimir Putin bereits im September aufgefordert, die Einmischung in den US-Wahlkampf durch Cyberattacken zu stoppen. Er habe dem Kreml-Chef auch mit "ernsthaften Konsequenzen" gedroht, falls dieser die Angriffe nicht unterbinde.

Auch im Kongress mehren sich die Rufe nach Strafmaßnahmen gegen Moskau. So kündigte etwa der republikanische Senator Lindsey Graham an, dass Russland sich auf scharfe Sanktionen gefasst machen müsste. Dazu sagte Trump, er habe zwar nicht mit den Senatoren gesprochen, die diese Forderung stellten. Doch finde er, dass "wir im Leben nach vorne schauen" sollten.

Kurz nach der Präsidentschaftswahl am 8. November hatten die US-Bundespolizei FBI, der Geheimdienst CIA und der Leiter der Nationalen Geheimdienste sich davon überzeugt gezeigt, dass Russland für eine Serie von Angriffen auf Computer der Demokraten während des Wahlkampfs verantwortlich ist – um so dafür zu sorgen, dass Kreml-Favorit Trump die Wahl gewinnen wird. Der Milliardär hatte sich wiederholt positiv über Russlands Präsident Putin geäußert. Die Regierung in Moskau wiederum wies die Vorwürfe aus Washington zurück. 

"Eine sehr nette Unterhaltung"

Der Dissens über mögliche Sanktionen gegen Russland ist nicht der einzige Punkt, in dem sich der scheidende und künftige US-Präsident diametral entgegenstehen. So hatte Trump die Obama-Regierung in den vergangenen Tagen wiederholt kritisiert und zugleich mit eigenen Forderungen von sich Reden gemacht. Damit brach er auch mit der Gepflogenheit, nach der sich der gewählte Präsident während der Übergangsphase aus dem politischen Tagesgeschäft raushält. In einem Tweet sprach Trump dann von "hetzerischen" Stellungnahmen Obamas und warf ihm vor, seiner Amtseinführung Steine in den Weg zu legen.

Im Gespräch mit den Reportern vor seinem Haus in Florida nahm Trump diese Kritik aber wieder zurück. "Er hat mich angerufen, wir hatten eine sehr nette Unterhaltung", sagte er. Auch seitens des Weißen Hauses hieß es, Obama hätte seinen Nachfolger von seinem Urlaubsort auf Hawaii aus angerufen. Das Telefongespräch sei "positiv" verlaufen. Der Fokus habe auf der Fortsetzung eines "reibungslosen und effektiven Übergangs" bis zur Amtsübergabe am 20. Januar gelegen.