Er war eine Institution in seiner Heimat und galt als eine der Säulen der Islamischen Republik. Erst im vergangenen Mai wurde der Alt-Präsident erneut mit großem Stimmenvorsprung in den Expertenrat gewählt, der den nächsten Revolutionsführer bestimmt. Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, von 1989 bis 2007 Regierungschef des Irans, starb am Sonntag im Schohadaa-Krankenhaus an einem Herzinfarkt. Das Staatsfernsehen unterbrach sein Programm, mit zitternder Stimme erklärte eine Sprecherin, der Gestorbene sei in den Himmel gefahren "nach einem Leben im rastlosen Einsatz für den Weg des Islam und der Revolution". Hunderte Menschen kamen vor dem Hospital im Norden Teherans zusammen.

Bis zuletzt hatte sich der 82-Jährige, der als einer der reichsten Männer des Irans sein Vermögen mit Hotels, der Fluggesellschaft Mahan Air, Fabriken und Pistazien machte, in die politischen Debatten seines Landes eingemischt. Er warb für eine Entspannung mit dem Westen, für wirtschaftliche Reformen und zuletzt auch für geringere Militärausgaben. Bei den Hardlinern war der gewiefte Stratege und Pragmatiker verhasst, zumal er zu den wenigen Politikern gehörte, die sich ein kritisches Wort gegen den allmächtigen Revolutionsführer Ali Chamenei erlauben konnten.

Unter dem Schah verhaftet und gefoltert, begann der studierte Theologe seine Karriere in der Islamischen Republik als enger Vertrauter von Staatsgründer Ajatollah Ruhollah Chomeini. Seine achtjährige Präsidentschaft stand ganz unter dem Druck, den Iran nach dem verheerenden achtjährigen Krieg gegen den Irak ökonomisch und gesellschaftlich wieder aufzubauen. Die Ursprünge des umstrittenen iranischen Atomprogramms, das der Islamischen Republik in den vergangenen zehn Jahren weltweite Sanktionen eintrug, fielen in seine Amtszeit genauso wie die staatlichen Auftragsmorde an kurdischen Oppositionellen 1992 im Berliner Restaurant Mykonos. Nach dem Attentat 1994 gegen die Zentrale der jüdischen Gemeinde in Buenos Aires, bei dem 87 Menschen ums Leben kamen, erließ ein argentinisches Gericht auch Haftbefehl gegen Rafsandschani, der jedoch stets jede Beteiligung daran bestritt.

Bei der Präsidentenwahl 2005 erlitt Rafsandschani eine deutliche Niederlage gegen den populistischen Hardliner und damaligen Teheraner Bürgermeister Mahmud Ahmadinedschad. 2009 unterstützten er und seine Familie dann die grüne Bewegung, die für eine innere und äußere Öffnung des Irans eintrat. Der Konflikt um das gefälschte Wahlergebnis stürzte die Islamische Republik dann in die schwerste Krise ihrer Geschichte. Tausende wurden verhaftet und inhaftiert. Die damaligen Spitzenkandidaten Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karroubi stehen bis heute unter Hausarrest.

Rafsandschani blieb zwar Mitglied des politischen Establishments, aber die einflussreiche Stellung als Freitagsprediger auf dem Campus der Teheraner Universität wurde ihm entzogen. Die religiös-politische Versammlung gilt als zentrale Plattform der Islamischen Republik. 2013 förderte Rafsandschani die Wahl des relativ moderaten Präsidenten Hassan Ruhani, der in einem Vertrag mit dem Westen, China und Russland die Atomkrise entschärfte und ein Ende der Sanktionen erreichte. Für Ruhani, der sich am 19. Mai der Wiederwahl stellen muss, ist Rafsandschanis Tod ein schwerer Schlag. "Wir werden ihn vermissen", kommentierte Farshad Ghorbanpour, einer der politischen Vordenker der Reformer. "Er war zwar nicht mehr so mächtig, aber er gab uns Hoffnung. Nun müssen wir ohne ihn weitermachen."