Die letzte Frage, die Barack Obama im Amt gestellt wurde, legte zumindest ein bisschen offen, wie er denkt. Sie kam von der Chicago Tribune-Journalistin Christi Parsons, die ihn schon begleitete, als er noch ein unbekannter Senator in Illinois war. Parsons fragte, wie er seinen Töchtern erkläre, dass mit Donald Trump das exakte Gegenmodell zu ihm ins Weiße Haus einziehe. Und was das für ihn persönlich über Amerika aussage. 

Malia und Sasha seien natürlich enttäuscht und keine von ihnen werde wohl in die Politik gehen. Am Küchentisch habe man natürlich viel darüber diskutiert, erzählte Obama, aber was ihn sehr zuversichtlich mache: Seine Töchter seien nicht zynisch geworden, sie sähen in diesem Wahlausgang keineswegs die Zurückweisung ihrer Werte und der Art und Weise, wie sie sein und leben wollten.

Obama bleibt Optimist

Gerade diese junge Generation, so der scheidende Präsident, lasse ihn sehr optimistisch in die Zukunft blicken. Und das sage er nicht als der landläufig bekannte "No-Drama-Obama", nein, das sei seine tiefe Überzeugung. So sei er gestrickt. Da war er wieder, dieser "Yes-we-can-Obama", dieses ewige Stehaufmännchen, der, wenn es schiefläuft und viele um ihn herum in Depression versinken, immer wieder neue Zuversicht und Hoffnung verströmt.

So war es schon zu Beginn des Wahlkampfs 2007/08, als es unmöglich schien, Hillary Clinton zu schlagen und die Präsidentschaftskandidatur zu erobern. So war es, als er als Präsident die ersten Kongresswahlen nach zwei Jahren im Amt verlor und danach eine gestärkte republikanische Partei jeden politischen Erfolg zu verhindern versuchte. Oder als er immer wieder der Opfer von Amokläufen gedenken musste. Nie verlor er seinen Optimismus, der ein fester Teil seiner DNA zu sein scheint.

Lauter letzte Male

Dies sind die Tage, wo in Washington vieles zum letzten Mal passiert. Nicht nur Obama trat zum letzten Mal vor die Medien. Am Tag zuvor, am Dienstag, hielt auch Obamas Sprecher Josh Earnest seine 354. und letzte Pressekonferenz. Er begann mit einem persönlichen Rückblick auf die vergangenen Jahre, nahm sich selber auf die Schippe und erzählte, dass der nächste Chef im Oval Office, Donald Trump, ihn einen "dummen Kerl" genannt habe, der es fertigbringe, selbst gute Nachrichten schlecht klingen zu lassen.

Kaum hatte er den letzten Satz gesprochen und wollte, wie es die Routine verlangt, die erste Frage eines Journalisten zulassen, öffnete sich hinter ihm die Tür – und der Präsident betrat die Bühne. "Josh Earnest heißt der Kerl", frotzelte Obama, "das ist für jemanden, der für mich sprechen muss, ein ziemlich guter Name." Und dann rühmte er sein Sprachrohr ob seiner Integrität, seiner Ehrlichkeit und des respektvollen Umgangs mit Menschen.

US-Präsidenten - Wie unterschiedlich Obama und Trump mit der Presse umgehen Barack Obama hat seine letzte Pressekonferenz als US-Präsident gegeben. Donald Trump pflegt einen raueren Umgang mit den Medien. Ein Vergleich

Ein Beliebter geht, ein Unbeliebter kommt

Von diesen Tugenden, die auch wichtige demokratische Tugenden sind, ist in diesen Tagen besonders oft die Rede, da mit Obama einer der beliebtesten Präsidenten der Geschichte geht und mit Donald Trump einer der – bis jetzt – unbeliebtesten Präsidenten der Geschichte kommt. Die Sorge ist groß, dass diese Tugenden in der Trump-Regierung keinen hohen Stellenwert haben werden.

Zu Earnests letzter Pressekonferenz drängten sich etwa 100 Journalisten in den viel zu kleinen Raum mit gerade einmal 49 festen Sitzplätzen. Platz nehmen darf hier nur eine kleine Riege direkt im Weißen Haus akkreditierter und arbeitender Journalisten. Der Rest muss stehen. Sieben Jahre lang, von 2007 bis 2014, habe ich mich als ZEIT-Korrespondent in irgendeine Lücke gezwängt. Auch jetzt, da ich nach zweieinhalb Jahren wieder einmal im legendären Brady-Room war, fand ich in einer Ecke ein Stehplätzchen.

Vier Pressesprecher habe ich in den Jahren kommen und gehen sehen, den letzten der Bush-Ära und die drei, die Obama gedient haben. Die Wände des Brady-Room haben immer mal wieder einen frischen Anstrich bekommen, die Deckenlampen wurden ausgetauscht, ebenso die Klimaanlage. Doch wie eh und je kommt sie nicht gegen die stickige Luft an und dröhnt nach wie vor so laut, dass man die Fragen der Journalisten, die ohne Mikrophon gestellt werden müssen, kaum verstehen kann. Wo sich in der Welt so viel veränderte, schien man zumindest hier, im Brady-Room, alles beim Alten belassen zu wollen.