US-Präsident Barack Obama hat seine Entscheidung für eine vorzeitigen Haftentlassung der früheren WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning verteidigt. "Um es klar zu sagen, Chelsea Manning hat eine harte Gefängnisstrafe abgesessen", sagte Obama bei seiner letzten Pressekonferenz vor dem Abschied aus dem Weißen Haus. Er sei überzeugt davon, dass inzwischen der "Gerechtigkeit Genüge getan" worden sei.

Er habe sich den Fall ebenso genau angesehen wie die anderen Fälle, in denen er Strafnachlässe und Begnadigungen ausgesprochen habe, sagte Obama. Dabei sei er zu dem Schluss gekommen, dass "im Lichte aller Umstände ein Strafnachlass vollkommen angemessen" sei.

Angesichts ihrer Verurteilung und des Prozesses, ihrer Übernahme von Verantwortung für ihre Taten und der "sehr unverhältnismäßigen" Strafe im Vergleich zu anderen Geheimnisverrätern sowie ihrer beträchtlichen bereits abgesessenen Inhaftierungszeit habe er einen Straferlass für Manning als "sinnvoll" angesehen, sagte Obama.

Republikaner kritisieren Obamas Entscheidung

Obama hatte in einer seiner letzten Amtshandlungen die baldige Freilassung der wegen Spionage zu 35-jähriger Haft verurteilten Manning veranlasst. Die Whistleblowerin soll das Gefängnis nun am 17. Mai 2017 verlassen können – und nicht erst 2045. Manning ist der bekannteste Name auf einer Liste von 64 Begnadigungen und 209 Straferlässen, die Obama zum Ende seiner Amtszeit gewährte. Obama wird in seinem Amt am Freitag durch Donald Trump abgelöst. Für seine Entscheidung zu Manning war Obama vonseiten der Republikaner scharf kritisiert worden.

Die Informantin Manning, die eine Geschlechtsumwandlung vollzog, hatte unter dem Namen Bradley Manning während der Stationierung im Irak der Enthüllungsplattform WikiLeaks Hunderttausende Dokumente zugespielt. Nach eigenen Angaben wollte sie damit eine öffentliche Debatte über die Kriege in Afghanistan und im Irak anstoßen.

Nach ihrer Verurteilung hatte sie angekündigt, sich ab sofort Chelsea zu nennen und als Frau leben zu wollen. Im April 2014 genehmigte ein US-Gericht die Namensänderung. Manning, die eine operative Geschlechtsangleichung will, hat in der Haft bereits zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Einen Hungerstreik gab sie nach Angaben ihres Anwalts im September auf, nachdem ihr für die nähere Zukunft eine Operation zugesagt worden war.

Im November 2016 bat sie schließlich Barack Obama um eine Verringerung ihrer Strafe. Der scheidende US-Präsident möge dafür sorgen, dass sie nach sechs Jahren aus der Isolationshaft im Militärgefängnis in Fort Leavenworth im Bundesstaat Kansas entlassen werde, schrieb Manning damals.