Der scheidende US-Vizepräsident Joe Biden hat mit deutlichen Worten vor einer russischen Einflussnahme in Europa gewarnt. "Russland nutzt jedes verfügbare Mittel, um gegen das europäische Projekt vorzugehen", sagte Biden auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Der russische Präsident Wladimir Putin wolle zu einer Politik der Einflusssphären zurückkehren. Dazu schüre er Gewalt in anderen Ländern und unterstütze Separatisten etwa in der Ostukraine, sagte Biden. Putin nutze Energie und Korruption als Waffen und stärke undemokratische Kräfte mithilfe von Propaganda. Damit sollten "Jahrzehnte des Fortschritts" zerstört werden.

Mit Blick auf bevorstehende Wahlen in der EU sagte Biden: "Wir müssen mit weiteren Versuchen rechnen, sich in den demokratischen Prozess einzumischen. Es wird wieder passieren." Putin habe eine andere Vorstellung von der Zukunft, in der sich schwächere Nationen den stärkeren fügen müssten.

Allgemeiner forderte Biden, den Kampf gegen Cyberterrorismus und Falschnachrichten zu stärken. "Lösungen hängen nicht von Washington alleine ab", sagte der US-Vizepräsident mit Blick auf Herausforderungen wie soziale Ungleichheit und den Aufstieg von Populisten. Zugleich bekräftigte Biden die "heilige Verpflichtung" zur Bündnistreue mit den Nato-Partnern. Zuvor hatte der gewählte US-Präsident Donald Trump das Verteidigungsbündnis als "obsolet" bezeichnet.

Laut Financial Times sagte der Vizepräsident außerdem, dass auch "berechtige Sorgen" über Arbeitsplatzsicherheit in einigen entwickelten Ländern "die Unterstützung für die liberale internationale Ordnung von innen untergräbt". Nach dem Wahlsieg Trumps in den USA war eine Debatte über den Einfluss ökonomischer Entwicklungen auf das Wahlergebnis aufgekommen.